Nächste Termine für Symposion

Nächster Symposion Abend am Dienstag, 21.02.2023, um 18:00 h ~ Anmeldung bei Klaus erforderlich.
Thema: Staufer und ihre Zeit ~ Hochmittelalter vom Feinsten

Bayrisches Wirtshaus, SG-Ohligs, am Ohligser Marktplatz

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Hier die Vorschläge, was wir demnächst machen wollen:

Für Wallraf Richartz in Köln, Susanna, Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo schlage ich den 11.2.2023 vor und bitte um Eure Anmeldung bis 15.1.2023. Gruppenbahnfahrt wird nach Anmeldeschluss organisiert.
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Exkursionen, (Auswahl 2023) Termine noch offen:

RedDot Design Zollverein Essen u/o MAKK Köln
Max Ernst Brühl - ggf. Schloss Brühl
Das Leben des Bodi im frühen Mittelalter, LVR-Bonn
Düsseldorf Kiefernstraße Street Art - Little Tokio Immermannstr.
Kaiserswerth - Kalkum - Rhododendron-Park
Düsseldorf mit Goethe, Heine, Schumann, Beuys zu Fuß
Zons m/o Fähre - Nacht Open Air
Zentrum für Lichtkunst Unna

Bei Interesse bitte um E-Mail an Klaus.

Bis dahin liebe Grüße
Klaus

Bericht vom 31.01.2023, Expressionismus in der Malerei

Als Expressionismus wird die Stilrichtung der bildenden Kunst ab ca. Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnet mit einer Blüte bis zum Beginn es 1. Weltkriegs, dann Weltkriegsbilder, einem deutschen Expressionismus zu Zeiten der Weimarer Republik, dann im Untergrund weiter bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Im Gegensatz zum Naturalismus von z.B. Courbet und Liebermann (dieser auch bereits impressionistisch) und Impressionismus ging es den Künstlern – wie bereits im Fauvismus („wilde Bestien“) in Frankreich um einen freien Umgang mit Farbe und Form in häufiger Verwendung ungemischter Farben und im deutschsprachigen Raum des Weiteren die Verwendung holzschnittartiger Formen hervor. Weitere Charakteristika sind eine Motivreduzierung auf markante Formelemente der Bildobjekte und eine Auflösung der traditionellen Perspektive. 

Zur Darstellung des Übergangs von Naturalismus, Impressionismus und Fauvismus zum Expressionismus hier entsprechende Beispiele:                                                                                                           zum Vergrößern, Bilder bitte anklicken

Den Künstlern dieser Epoche waren nicht die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Eindrücken und schöne Formen wichtig; im Gegensatz zu den impressionistischen Malern drückten die Expressionisten ihre subjektiven Regungen aus. Sie gaben direkt und spontan ein „durchfühlt“ interpretiertes Motiv weiter.

Sehr bald nach dem 1. Weltkrieg und unter dessen Einfluss auf die Künstler wurde der Expressionismus von neuen Stilrichtungen teils überlagert und teils abgelöst oder infrage gestellt durch (z. B. Konstruktivismus, Neue Sachlichkeit, Informel, Postmoderne, Fotorealismus, und Dadaismus). 

Eine erste expressionistische, mit symbolischen und Jugendstilelementen vermischte Welle erschien bereits zwischen 1885 und 1900 als Reaktion auf den Impressionismus und den objektiven Ordnungswillen Paul Cezannes und Georges Seurate sowie den deutschen Impressionismus. Ihre Vertreter waren Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Henri de Toulouse-Lautrec, James Ensor, Edvard Much und Ferdinand Hodler.

Hier die entsprechenden Beispiele:

Eine zweite expressionistische Welle, weit wichtiger als die erste, zeigte sich in Frankreich bereits durch die Beiträge Georges Rounalt, im Frühwerk Pablo Picasso, im Schaffen des Fauvismus und in Deutschland mit der Gründung der Dresdner Brücke. 

Künstlervereinigungen führten die expressionistischen Bildwerke weiter bis zur Abstraktion.. Hauptvertreter der Brücke in Dresden (1905–1913) waren Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Müller und Max Pechstein, Eine andere maßgebliche Gruppe war die Neue Künstlervereinigung München, der unter anderen Wassily Kandinsky, Alexej Jawlensky, Franz Marc, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin angehörten. Aus der N.K.V.M. ging die Redaktion des Blauen Reiter hervor. Daneben gab es auch einen ostpreußischen Expressionismus in Königsberg, ab 1918 mit der Künstlergruppe „Der Ring“ und einen Rheinischen Expressionismus. Der letztere Begriff wurde 1911 von Herwarth Walden geprägt, er bezeichnet weniger eine Kunstrichtung, sondern eher das Lebensgefühl einer jungen Generation. Die Anfänge gehen auf Vincent van Gogh und Edvard Munch zurück .

Der Expressionismus richtete sich als Protest gegen die damals bestehende Ordnung und somit vielfach gegen das Bürgertum. Seine Entstehung muss in engem Zusammenhang mit der Lebensformbewegung gesehen werden. Expressionistische Künstler beriefen sich auf Friedrich Nietzsche als Vordenker. Die Zeitschrift Der Sturm (herausgegeben von Herwarth Walden) und andere neu gegründete künstlerisch-literarische Zeitschriften dienten den Protagonisten als Diskussionsforum. Überkommene künstlerische Formen wurden aufgegeben („Formzertrümmerung).

Da das Programm des deutschen Expressionismus weitgehend negativ definiert war (nicht naturgetreu, nicht bürgerlich, nicht konventionell), ergab sich daraus im Gegensatz zum Impressionismus nicht eine Kunst, die ohne weiteres an Stilmerkmalen zu erkennen ist. Es war die geistige Haltung, die den Expressionismus ausmachte. So formulierte Ernst Ludwig Kirchner 1906 das „Programm der Brücke“ in dem gleich betitelten Holzschnitt wie folgt: 

„Mit dem Glauben an Entwicklung an eine neue Generation der Schaffenden wie der Geniessenden rufen wir alle Jugend zusammen und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergiebt, was ihn zum Schaffen draengt.“ 

Wichtige Vertreter des deutschen Expressionismus wehrten sich vehement, als Expressionisten bezeichnet zu werden, so Ernst Ludwig Kirchner und Otto Müller. Sie hoben hervor, dass diese Bezeichnung ihrem Stil und ihrer Originalität nicht gerecht werde. 

Die gemeinsame Reise von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet nach Tunesien ist als Tunisreise in die Kunst-geschichte eingegangen. 

Die zweite expressionistische Generation von Malern und Bildhauern hatte bereits in der Weimarer Republik ihre Ausbildung begonnen, wurde aber durch den Nationalsozialismus und den Krieg in ihrem Schaffen und insbesondere der Veröffentlichung ihrer Werke gehindert. Ein Teil ihrer Werke findet sich heute in den Zentren für verfolgte Kunst in Basel und Solingen.
Wie die kubistischen Werke beispielsweise von Pablo Picasso und Georges Braque wurden auch die Werke der Expressionisten, insbesondere die der Künstler der Brücke von den Objekten ozeanischer und afrikanischer angeregt.
Anfang des 20. Jahrhunderts füllten sich Europas Völkerkundemuseen mit Objekten aus Afrika und Ozeanien. Die schlichte und ausdrucksstarke Gestaltung der Masken und Figuren, allesamt mystische Sinnbilder fremder Kulturen, erfüllten die Sehnsucht der Künstler nach einer „neuen Natürlichkeit“.

Besuchs-Bericht vom 28.01.2023, Barbarossa Austellung in Münster

Münster mit Barbarossa und ZWAR am 28.1.2023

Die Ausstellung zum 900. Geburtstag von Friedrich Barbarossa war Anlass und Gelegenheit, einen Ganztags-ausflug nach Münster zu machen.

Mit ICE-Train für 23,00 € hin und zurück waren wir schneller als mit Autos, sogar trotz der 20 Minuten Verspätung durch die Stellwerkszerstörungen an dem Wochenende. Nach dem LWL-Museum sollte es eine Pause in einer Gaststätte, danach 15 Minuten im Friedenssaal von 1648 im Rathaus sowie ein Gang über Prinzipalmarkt, Lamberti  Kirche mit den Wiedertäuferkäfigen hin zu Wilsbergs Antiquariat. Ein Fußweg von  weiteren 15 Minuten. Danach zum Aufwärmen wieder einkehren, bevor wir zum Abend in ein typisches Gasthaus einkehren und wohlgenährt am Abend die Heimreise antreten könnten. Soweit der Plan.

Das Ergebnis fasste Simone so zusammen:  Ein Tag, wie ein ganzes Leben im Kurzformat: Aufbruch, Freude, Lernen, Gemeinsamkeit, Anstrengung, Müdigkeit, Fröhlichkeit, Leerstellen, Enttäuschungen, Entschuldigungen, Verlust, Irrungen und Wirrungen und ein kleines bisschen Traurigkeit.

Barbarossa war eine sehr gut und interessant kuratierte Ausstellung, die das ganze Spektrum des Lebens und der Zeit Friedrich I. umfasste, die Herkunft, die verwandtschaftlichen Beziehungen der geschichtlichen Personen und ihrer Handlungen, die Frauen, Mütter, Großmütter, Onkel und Erbtanten, alles nach den neuen Erkenntnissen und Forschungen, befreit von der uns noch in Schulbüchern vermittelte Glorifizierung zur Untermalung eines nationalen Deutschlands, das es eben erstmals 1871 und nicht vorher gegeben hat. Die Staufer und ihre Zeit werden Gegenstand eines Symposions sein, denn es macht schon Spaß sich damit mal näher zu beschäftigen.

Enttäuscht waren wir, als das vor 3 Wochen per Mail angeschriebene Restaurant erst dort und so spät mitteilte, dass sie unsere Reservierung leider nicht berücksichtigen könnten. Mit vereinten Kräften suchten wir telefonisch nach einer Alternative. Nach 15 Versuchen hatten wir nur eine vage und eine weit entfernte Alternative. Im Museumsrestaurant fanden wir Plätze und eine gute erste Rast. Dann wurde es Zeit um 15.00 Uhr im Rathaus zu erscheinen um die Audioführung mitzumachen.
Die freundlichen Damen an der Rathauskasse konnten uns dann doch eine gute Alternative in der Altstadt empfehlen, die wir dann auch reservierten.

Über den Prinzipalmarkt besuchten wir die Lambertikirche und dann wenige hundert Meter weiter die Kirche des heiligen Georg Wilsberg, die Eingangsfront des Antiquarats Solder. Nach Fotoshooting vor der Tür gingen wir die wenigen hundert Meter zum Dom und dann über den Markt ins nächste Café am Markt. Da gab es dann bei dem einen oder anderen Getränke, den einen oder anderen sozialen Kontakt mit Münsteranern. Der Weg zu dem italienischen Restaurant Rossini war eigentlich recht leicht zu finden, es gab 2 Wege jeweils 6 Minuten vom Marktplatz. Aber es war schon dunkel geworden, es gab immer noch viele Menschen – und so hatte es den Anschein, als ob wir die eine oder andere  verloren hätten. Erst als der nächste Anruf kam, man sei schon lange vor dem Restaurant und warte auf uns, löste sich die Irrung und Verwirrung auf. Ein angenehmer Aufenthalt bei sehr gutem Essen und erstklassiger Bedienung entschädigte uns für die Unbillen, die wir durch die münsteraner  Heimatgastronomie erfahren mussten. Die interessanten Gespräche auf der Rückfahrt waren eigentlich keine traurigen, sondern mehr eindrucksvolle Berichte und Dialoge über engagierte respektable Tätigkeiten in nicht ganz so einfachen Ehrenämtern.

Besuchs-Bericht vom 18.12.2022, "100 Jahre Expressionisten am Folkwang"

EXPRESSIONISTEN AM FOLKWANG Entdeckt – Verfemt – Gefeiert“

Die Kunstrichtung Expressionismus ist mit Karl Ernst Osthaus, den Direktoren und dem  Folkwang eng verbunden. Zum 100 jährigen. Jubiläum mit ca. 250 Meisterwerken werden die vielfältigen Verbindungen zwischen Künstlern und dem Museum gezeigt.

Osthaus hatte das Folkwang zunächst in Hagen 1902 gegründet, um „einen Stützpunkt künstlerischen Lebens im westlichen Industriebezirke zu schaffen.“ Die rasch wachsende Sammlung, aber auch das umfangreiche Ausstellungsprogramm machte das Museum Folkwang schnell zu einem der wichtigsten Kunstmuseen in Deutschland. Osthaus schätzte die moderne Malerei des späten 19. Jahrhunderts und erwarb schon früh Werke von Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Ferdinand Hodler oder Edvard Munch. Doch auch die aktuellen künstlerischen Entwicklungen interessierten ihn sehr. Eine besondere Rolle spielte dabei der Expressionismus.

Mit allen wichtigen Zentren dieser revolutionären Kunstrichtung, die sich vor allem im deutschsprachigen Raum rasch ausbreitete, stand Osthaus in Verbindung. Er präsentierte Werke der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergemeinschaft Brücke rund um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Aber auch August Macke, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter oder Franz Marc vom Blauen Reiter in München waren mit Ausstellungen zu Gast. Die Wiener Künstler Oskar Kokoschka und Egon Schiele konnten 1910 und 1912 ihre neuartigen Bilder vom Menschen in Hagen vorstellen. Auch die erste große Wanderausstellung zum Werk der jung verstorbenen Paula Modersohn-Becker nahm 1913 im Museum Folkwang ihren Ausgang.

Oft suchten die Künstler den Kontakt zu Osthaus, denn es sprach sich schnell herum, wie aufgeschlossen das Museum und sein Gründer für die neueste Kunst waren. Franz Marc empfand sogar eine Geistesverwandtschaft und schrieb 1911 an Osthaus, dass das Museum Folkwang „in seiner Art schon ein Vorbild unseres Gedankenganges ist“. Eine geistige Nähe bestand auch zwischen Karl Ernst Osthaus und Ernst Gosebruch, der seit 1912 das städtische Kunstmuseum in Essen leitete. Gosebruch war fasziniert vom Expressionismus und organisierte mehrere Ausstellungen zu Emil Nolde, von dem er auch Gemälde erwarb. Als Osthaus im Frühjahr 1921 verstarb, war es nicht zuletzt der Initiative von Gosebruch zu verdanken, dass die Osthaus-Sammlung wenig später für Essen erworben werden konnte, wo sie 1922 gemeinsam mit der städtischen Sammlung zum neuen Museum Folkwang wurde.

Die Ausstellung Expressionisten am Folkwang zeichnet diese außergewöhnliche Geschichte anhand von Meisterwerken aus dem Museum Folkwang und wichtigen europäischen Sammlungen nach. Sie bringt Werke wieder zusammen, die einstmals in bedeutenden Ausstellungen in Hagen und Essen zu sehen waren oder für die Sammlung erworben wurden. Zugleich erzählt Expressionisten am Folkwang auch die Fortsetzung der Geschichte ab den 1920er Jahren. So blieb Ernst Ludwig Kirchner dem Museum verbunden und konzipierte ab 1925 eine groß angelegte Ausmalung für den Festsaal im Neubau des Museum Folkwang. Die farbigen Entwürfe und Gemälde geben faszinierende Einblicke in den vielschichtigen Prozess der künstlerischen Ideenfindung. 

Die Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 mündete für die Expressionisten wie für das Museum in eine Katastrophe. Der Expressionismus wurde nicht – wie Emil Nolde hoffte – zur repräsentativen Kunst der neuen Zeit erklärt, sondern im Gegenteil als „entartet“ diffamiert. Die staatlichen Beschlagnahmungen aus deutschen Museen 1937 betrafen deshalb vor allem expressionistische Kunst, und auch im Museum Folkwang blieb kaum ein Werk vom NS-bedingten Entzug verschont. Nachdem auch das Museumsgebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, brachte die Zeit nach 1945 einen Neuanfang, bei dem die Würdigung des Expressionismus durch Ausstellungen und Ankäufe eine zentrale Rolle spielte. Bereits in den späten 1940er Jahren fanden wieder erste Expressionisten-Ausstellungen in Ausweichquartieren in Essen statt. 1958 wurde der Museumsneubau symbolträchtig mit einer groß angelegten Retrospektive zur Künstlergemein­schaft Brücke eröffnet. Durch Ankäufe, Schenkungen und Stiftungen wuchs in den folgenden Jahrzehnten wieder eine herausragende Sammlung expressionistischer Kunst im Museum Folkwang heran. In der Jubiläums-Ausstellung ermöglicht sie im Zusammenspiel mit Werken der ehemaligen Folkwang-Sammlung einen tiefen Einblick in die Bandbreite und Vielfalt des Expressionismus und seiner Geschichte.

Dies ist die leicht redigierte Information des Folkwang zu der Ausstellung, die ich nicht besser hätte wiedergeben können.

Wir hatten das Glück eine versierte Kunsthistorikerin als Führerin zu haben, die anhand einzelner Werke die gesamte Bandbreite an Auffassungen der einzelnen Künstler und deren Gemeinschaften aufzeigte und detailreich erklärte. Dabei richtete sie unser Augenmerk  auf  Seelenlage, Empfindungen, eigenen Äußerungen, Malstile, Ideen, aktuelle politische Ereignisse und Zustände der Künstler selbst, die deren Kunstwerke wiederspiegelten.
Es ging dabei an einem bestimmten Punkt nicht mehr darum, „Was soll das darstellen“, „Wie ist der Titel“ oder „Was hat sich der Künstler (nur) dabei gedacht“, diese immer wiederkehrenden Plattheiten mancher „Bildangucker“.

Es ging auch in der Führung nicht darum, uns als Bildungsbürgerpublikum zu beeindrucken oder – noch schlimmer – diesen ein Instrument von Superbia mit auf den Weg zu geben.

Was wir erleben konnten, war die Augen zu öffnen. Denn erst wenn man die Hintergründe der Umstände, der Malerin, der Möglichkeiten, der Zeit, der Entwicklungen mit einbezog bei der Betrachtung, konnte man dem einzelnen Werken näher kommen, sie als besonders anzusehen ohne dass man sich gleich selbst die Frage stellte ob man es „schön“ findet. Weil „schön“ in der Bedeutung von „gefällig“ sind viele der Bilder nicht unbedingt. Aber auch das liegt alleine im Auge und Kopf des Betrachters.

Daneben ging die Führerin auch ausführlich auf die Zeit des Nationalsozialismus, auch Nolde, die Direktoren Baudessin und dessen Nachfolger sowie die Ausstellung „Entartete Kunst“, der ein Saal in der Ausstellung gewidmet war. Die Fotos, wie die Werke so schlecht wie möglich präsentiert wurden wie auch die wandumfassende Liste der verfemten Künstler ihrer Werke, des Abgabepreises und der Provenienz waren schon etwas bedrückend. Man bekam eine Ahnung davon, wie viele Werke für immer untergegangen sind. Aber Kunst- und Kulturfrevel aus niederträchtigen politischen Motiven ist ja nicht aus der Welt.

Es waren jedenfalls rund 70 Minuten kompakte und vollgestopfte Informationen über expressionistische Malerei und Bildhauerei.

Wir verbrachten noch – sozusagen als etwas ruhigeren Ausklang – ca. ½ Stunde in der Ausstellung, um das eine oder andere Werk eingehender zu betrachten. 

Dann gingen wir in das Museumsrestaurant Edda, in dem wir etwas ermattet, jedoch sehr beeindruckt von dem gerade Gesehenen und Gehörtem bei Kaffee, Kuchen und Speisen den Nachmittag abschlossen.

Rechtzeitig vor Eis und Regen erreichten alle 4 Autos wohlbehalten Solingen, bzw. Wuppertal. Sylvia hat einige Fotos gemacht, die sie für unseren Bericht zur Verfügung stellt.
Weite Fotos sind durch Wikipedia frei nutzbar.                                            Bilder zum Vergrößern bitte anklicken.

Bericht vom 24.11.2022, Galileum "Zauber der Anderswelten"

Maku Restaurant und "Zauber der Anderswelt" im Galileum

Vor unserem gemeinsamen ersten Besuch des Galileum waren wie gespannt auf die neueste gastronomisch-kulinarisch Errungenschaft in Ohligs,  dem Maku Restaurant an der Prinzenstraße /Ecke Caspersbroicher Weg.  Das Restaurant ist in dem großen Gebäude  der ehemaligen Konsumgenossenschaft Eintracht , der nachmaligen, vielen „Schulferien-Werktätigen“ bekannten Flora Frey und der, ihre Immobilien selten pfleglich behandelnden Silag-AG untergebracht.

Was in dem denkmalgeschützten Gebäude von 1915 an Renovierungsarbeiten bereits geleistet wurde, ist durchaus beeindruckend. Im Restaurant selbst fanden wir eine gelungene Mischung alter erhaltenswerte Substanz mit moderner neuer Gestaltung, offen und gleichzeitig mit Wohlfühlatmosphäre.

 Ein durchaus angemessener Ort, wenn man bedenkt, dass in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Viertel der Solinger Haushalte von dort versorgt wurden. Gut, es handelte sich zu dieser Zeit und  – nachdem die Nazis den Betrieb  1933 verboten hatten – auch nach dem 2. Weltkrieg bis in die 60er Jahre eben  noch um einen von der sozialistischen Arbeiterklasse ins Leben gerufenen Betrieb,  aber mit Sozialismus hat das heutige Maku nur noch so viel gemeinsam, dass es eben für alle gesellschaftliche Gruppen offen steht.  Wobei  - Maku gleich finnisch für (guten) Geschmack – ist wiederum keine Frage der gesellschaftlichen Stellung.

Der Beginn mit frischem sozialistisch kostenlosem Leitungswasser, einem aus Gurkenkaltschale mit Avocadoöl und Chili bestehendem Amuse-Gueule, selbstgebackenem Brot mit aufgeschlagener Trüffelbutter und Buttermilch-Dipp sowie einem alkoholfreien Schaumwein von Wiesenquitte mit Eisenkraut statt Eisenhut war bereits sehr gelungen. Mit unserer Idee, nach Wahl des Küchenchefs eine große Anzahl von Vorspeisen gemeinsam zu probieren, lagen wir dann ebenfalls richtig. Auf jedem Teller eine andere Köstlichkeit mit Gesprächsbedarf um was es sich im Einzelnen handeln könnte. Meist lagen wir richtig. Die Teller gingen mehrmals rund bis zum letzten Rest. Mit N.Y. Cheesecake, Sorbet oder Cafe beendeten wir sehr zufrieden mit Küchenleistung und Service den Besuch um rechtzeitig zum Galileum zu gelangen.

Dort schloss Dr. Lungenstraß die Tür auf und ließ uns die Wahl zwischen Treppe und Aufzug, nicht ohne auf die Maskenpflicht aufmerksam zu machen, so dass wir es uns im Planetarium in den Halbliegesesseln bequem machen konnten.

Als das Licht ausging, sahen wir noch zeitversetzt den Sonnenuntergang in Solingen. Je dunkler es wurde desto mehr Sterne waren am Himmel. Allein das war schon ein grandioser Blick, den wir insbesondere wegen des künstlichen Lichts in der Natur nicht mehr sehen können. Der Moderator lenkte dann unseren Blick auf einen der hellsten Sterne. Er nahm dazu das Fernrohr zur Hand, so wie es vor ihm Galileo Galilei, der Namensgeber unseres Planetariums, 1610 getan hatte, und zeigte bei näherem Hinsehen, dass es sich um den Saturn handelt, keinen Stern, sondern um einen der Planeten, die – wie die Erde – um die Sonne kreist. Im Gegensatz zu den Lichtjahre entfernten Sternen konnte man die Bewegungen erkennen, so dass erwiesen war, dass nicht die Erde der Mittelpunkt ist sondern die Sonne.

Es vergingen offiziell nur noch schlappe 400 Jahre bis die katholische Kirche das auch so sah, manche kreationistische Sektierer der abrahamitischen Religionen sind da wohl immer noch andere Meinung. Weiter ging es am Sternenhimmel mit den phantasievollen Sternenbildern mit Tierbildern, Gegenständen und – mit dem unsere Winterzeit beherrschenden Sternbild des Orion. Eine Fülle von Eindrücken, man wusste bereits da kaum, wohin man am Himmel zuerst schauen sollte.

Und dann folgte Zauber der Anderswelt, eine visuelle Reise der besonderen Art. Aus einer Grotte führt der Bogen über Berglandschaften, Wälder, Bäche und Seen zu einer mystischen Küstenlandschaft und in die stille Weite des Kosmos. In dieser sanft bewegten Kulisse lädt die Harfen-Musik von Christine Högl zum Eintauchen in eine andere Welt ein. Was im Mediendom der Fachhochschule Kiel entstanden war, wurde im Galileum zu einem einzigartigen Erlebnis von Klang und Bild in 360°. Musik mit Keltischer Harfe und Bild verschmelzen und ermöglichen ein tiefes, nachhaltiges Eintauchen in das Werk.

Galileum und Maku  waren Kunst und Kultur – also gerade richtig für uns.

Klaus Schaberg

Bericht vom 08.11.2022, "Das Bauhaus" zum letzen mal, Wilhelm Wangenfeld

Als Abschluss der Themenreihe „Das Bauhaus“ stellte uns Hans in einem Vortrag Wilhelm Wagenfeld vor, der Bauhaus-Schüler ist zu einem wichtigen Pionier des Industriedesigns in Deutschland geworden. Wagenfeld selbst bezeichnete sich als Formgeber bzw. Mustermacher, die Bezeichnung Designer hat er nie verwendet. 

Wilhelm Wagenfeld wurde 1900 in Bremen-Walle geboren und wuchs in einem politisch geprägten, sozialdemokratischen Elternhaus auf. Sein Vater war Vertrauensmann der Transportarbeiter im Hafen.

Bereits während seiner Schulzeit zeichnete sich Wagenfeld durch seine besonderen zeichnerischen Fähigkeiten aus. Er wollte Maler werden. Zunächst machte er ab 1914 eine Lehre zum Industriezeichner in der Bremer Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld und besuchte gleichzeitig ab 1916 die Staatliche Bremer Kunstgewerbeschule. Aufgrund eines Stipendiums besuchte er dann von 1919-1922 die Hanauer Zeichenakademie und kehrte 1922 nach Bremen zurück, um bis 1923 in Worpswede als Maler zu leben. 1923 wechselte er an das Bauhaus und war bis 1925 Mitarbeiter der Metallwerkstatt unter der Leitung von László Moholy-Nagy. 1924 erfolgte die Gesellenprüfung als Silberschmied und Ziseleur (Gesellenstück: Fett-Mager-Sauciere).

In der Metallwerkstatt am Bauhaus entstand 1924 unter seinem Lehrer László Moholy-Nagy der Entwurf für die sog. Wagenfeld-Lampe, eine zeitlose Tischleuchte mit einer halbkugelförmigen Glasglocke, wahlweise mit einem Metallsockel und Metallrohr oder einer Glasplatte und einem Glasrohr, eines der bekanntesten Wagenfeld-Entwürfe.

1925 schloss Wagenfeld die Ehe mit Else Heinrich. 1926 trat er nach dem Wechsel des Bauhauses nach Dessau als Assistent in die Metallwerkstatt der neu gegründeten Staatlichen Bauhochschule Weimar ein, 1928 übernahm er die Leitung der Metallwerkstatt. 

1930 wurde die Staatliche Bauhochschule geschlossen und es folgte eine freiberufliche Tätigkeit. 1931 hatte er einen Vertrag mit der Jenaer Glasfabrik Schott & Gen. Hier entstand das berühmte Teeservice aus feuerfestem Glas, das bis heute produziert wird.

Daneben gestaltete er Klinken, Türbeschläge und Haushaltsgegenstände für verschiedene Firmen u.a. für die Porzellanmanufakturen Rosenthal und Fürstenberg. 1931 bis 1935 war er Professur an der Staatlichen Kunstschule in Berlin. Danach übernahm er die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) in Weißwasser/Oberlausitz. Wie andere Gestalter des Bauhauses und des Deutschen Werkbundes legte Wagenfeld großen Wert auf die Standardisierung seiner Entwürfe für die Massenproduktion. 

Anfang 1942 heiratete Wagenfeld in zweiter Ehe Erika Helene Paulus. 

1942 wurde er zum Kriegsdienst herangezogen. Nach einer Weigerung, der NSDAP beizutreten, erfolgte der Einsatz an der Ostfront. 

Nach seiner Rückkehr aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft Mitte 1945 beteiligte er sich an der Neugründung der Werkakademie in Dresden. Nach deren Scheitern zog er nach Berlin und war von 1947 bis 1949 Professur an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. 1949 wurde er Referent für industrielle Formgebung am Württembergischen Landesgewerbeamt in Stuttgart. 

1954 gründete er in Stuttgart die Werkstatt Wagenfeld, die er bis 1978 betrieb. Seine Auftraggeber waren namhafte Hersteller von Gebrauchsgütern, wie beispielsweise die Firmen WMF Geislingen, Johannes Buchsteiner Gingen, Braun Frankfurt, Rosenthal Selb und Fürstenberg Weser. 1988 bietet seiner Heimatstadt Bremen seinen Nachlass an. 

1990 stirbt Wilhelm Wagenfeld in Stuttgart. 

Aussage Wagenfelds zu seiner Biografie:

Biografie – Ich bin Mustermacher, habe vorher verschiedene Handwerke gelernt, wusste nicht, was aus mir werden sollte und trieb mich länger als ein Jahrzehnt herum, nur um aufzunehmen, zu lernen und zu sehen, in Fabriken, Werkstätten und Schulen. Als Handwerker kam ich in Fabriken und Glashütten, als Zeichner und Silberschmied, der, da und dort gewesen, vielleicht geeignet sein konnte, dieses und jenes seinen Vorstellungen nach richtig zu tun. Nachher folgte dann eine Industrie der anderen und die Lehrtätigkeit in einigen Schulen. Aber das Mittun in Fabriken wurde mir zunehmend bedeutender. Ist es doch unsere Sache, in den Fabriken mit Kaufleuten und Technikern für eine Produktion zu arbeiten, ohne die heute geordnetes Dasein der Menschen nicht mehr zu denken ist.“

Der Nachlass wird heute durch die 1993 gegründete Wilhelm Wagenfeld Stiftung im Wilhelm-Wagenfeld-Haus in Bremen bewahrt und ausgestellt. Das Haus ist Sitz, Ausstellungs- und Veranstaltungsplattform des Design Zentrums Bremen, der Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung und der Gesellschaft für Produktgestaltung. 

Für Peter Zec, Direktor des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen in Essen, gehört „Mustermacher“ Wilhelm Wagenfeld zu den Pionieren des Industriedesigns. Für typisch Wagenfeld hält er einen Artikel, der bis heute unverändert hergestellt wird:
„Mir fallen hierzu die Salzstreuer - Max und Moritz - ein, aber nicht deswegen, weil sie so besonders gut zu gebrauchen sind, sondern weil sie einfach so sinnfällig sind.
Sie sind ja zeitlich zu zuordnen. Man erkennt an ihnen die 50er, 60er Jahre wieder. Sie haben also auch auf einem Nierentisch nicht gestört. Aber sie passen eben auch heute noch in unsere Intercity-Züge und in einem avantgardistischen Haushalt. Diese Form von Max und Moritz ist für mich wirklich ein gelungenes Produkt, bei dem die Funktionalität und der Gebrauch nicht augenfällig im Vordergrund stehen, aber gleichwohl vorhanden ist, und letztendlich sie wirklich etwas zum Ausdruck bringen, was Wagenfeld als Schönheit bezeichnet hätte.“

„Wagenfelds Verdienst ist es…, sich mit den vorhandenen Aufgaben, der Schaffung neuer Formen für die industrielle Massen-herstellung, bescheiden zu haben, ohne nun ein Dogmatiker der Sachlichkeit zu werden. Die zunächst notwendige Beschränkung auf den Zweck hat in ihm nicht die Freude am Ornament, am Spielerischen, am „Überflüssigen“ ertötet. Die Notwendigkeit, mit der Maschine bzw. dem industriellen Herstellungsprozess zu rechnen, hat im Gegenteil seinen Ehrgeiz angestachelt, den einmaligen, den originalen künstlerischen Entwurf zum brauchbaren Modell für die industrielle Vervielfältigung zu machen.“ Fritz Hellwag

Podcast zu Wagenfeld:

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr2/wdr2-stichtag/audio-wilhelm-wagenfeld-designer-todestag--100.html

Bericht vom 18.10.2022, "Wer ist Jude, Juden in Deutschland"

Wer ist Jude und Juden in Deutschland bis ca. 1918

Wer ist Jude – frei nach Paul Spiegel „Was ist koscher?) (langjähriger Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) und unter Zuhilfenahme von Wikipedia. 

Die Vorurteile: sprechen jiddisch, tragen immer Kippa, Gehrock, große Hüte, Bärte, Schläfenlocken (chassidisch ab ca. 1656 Progrom), essen gefilte Fisch, hört Klezmer Musik 15 Jhd. Volksmusik https://www.youtube.com/watch?v=q1oG32IrNP4

Pluralismus jüdischen Lebens:

Es gibt 4 Hauptrichtungen: Orthodoxie - Konservative – Progressive – Rekonstruktionalisten (USA)

Diese 4 Hauptrichtungen haben wiederum zahlreiche unterschiedliche Gruppierungen. Alleine die Ultraorthodoxen haben wiederum Dutzende von sektiererischen Gruppierungen, Alle Richtungen, Gruppierungen haben wiederum unterschiedliche Traditionen, Lehransichten, religiöse Auffassungen.

Hier nun: die eher moderate Orthodoxie (ein liberaler Jude sieht das als altmodisch an, kann aber damit leben)

Judentum ist über 3000 Jahre alt, aber auch Juden stellen sich ununterbrochen die Frage, wer ist Jude?, wer gehört in ihre Lebensgemeinschaft? Regelmäßig wird darüber öffentlich debattiert. Für Juden ist diese Frage existenziell wichtig für das Überleben der Juden.

Wer also ist Jude?
Die traditionelle Antwort lautet:. Jude ist wer als Kind einer jüdischen Mutter geboren wurde oder einer Konversion entsprechend der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, vorgenommen hat. Antwort ist also sehr einfach, aber der Teufel steckt im Detail.

Juden sind somit ethnisch/rassistisch insofern kein Volk, wiederum aber durch Religion und Riten miteinander verbunden, ein Erbe der Diaspora vor allem.

Judentum ist eine ausgesprochen patriarchalische Religion, Wer der Vater ist, konnte man nicht sicher sein, bei der Mutter schon. Daher gibt es eben auch blonde, blauäugige und dunkelhäutige, ja sogar jede Menge fernöstliche Juden auf der Welt, eben nicht nur Juden aus Judäa und Kanaan.

Frauen sind im frommen Judentum verantwortlich für Jüdischkeit im Haus, für die koschere Küche, die jüdische Atmosphäre, die Erziehung der Kinder, wesentliche Arbeit bei der Ausrichtung der vielen Feste, der Einhaltung der Gebote, der Beachtung der Verbote.

Alleine an Verboten und Geboten gibt es im jüdischen Glauben 613 verschiedene. = die Mitzwot. Sie alle soll und muss ein gläubiger Jude erfüllen, denn sie sind die Gebote Gottes, der er seinem Volk am Berg Sinai aufgetragen hat. Für orthodoxe Juden ist das bindend, denn die in der Thora als Wort Gottes darf unter keinen Umständen verändert werden, Sie ist für alle Ewigkeit bindend. Bei der Frage wer ist „auserwählt“ streiten sich die Juden und Christen ja.

Für liberale Juden spätestens ab dem 19. Jahrhundert – im Zuge der Aufklärung, der technischen Erfindungen, der wissenschaftlichen Forschungen und Entdeckungen – ist die Thora ein von Menschen geschriebenes Buch. Menschen, denen sich Gott offenbart hat und diese Offenbarungen in Allegorien und Metaphern, in Symbolik und Parabeln festgehalten und niedergeschrieben haben.

Die Thora – Die 5 Bücher Moses.

Die Liberalen glauben also nicht mehr daran, dass jedes einzelne Wort göttlich ist. Sie entscheiden, was für sie bindend ist und welches nicht. Beispiel: Das Verbot Kleider aus Mischgewebe zu tragen wurde über Bord geworfen. Manche wurden frei interpretiert.

Thora – die 5 Bücher Mose - Der erste Teil des Tanach - TNK
Tanach (die hebräische Bibel) = Thora + Nevim (Propheten) + Ketuvim /Schriften zB Hohelied, Psalmen, Priester, Sprichwörter, Klagelied, Ester, Hiob, Daniel, Rut

Halacha = 613 Mitzwot Ge- und Verbote, Talmud (deren Auslegung) = Belehrung babylonischer und jerusalemer Interpretation durch Rabbiner, Mischna (2. Niederschrift der (mündlichen Thora)

Weitere Gesetzestexte der Rabbiner, Brantspigl 1596 in Prag 27 Kapital Anweisungen für Frauen

Synagoge, = „Judenschule“ eben keine Kirche, wie sie jetzt bei Christen
Gebetsutensilien = Kippa, Tallith (Umhang) – Tefillin (Gebetsriemen Männer Morgengebet, eines um die Hand, eines an die Stirn – Kistchen mit Tora-Text)

Jüdisches Leben in Kurzfassung:

Jude von Geburt - Beschneidung Brit Mila (Bund mit Gott) , Mädchen nicht – Bar Mitzwah mit 13 Jahren volljährig, Aufstieg zur Thora - Bat Mitzwah für Mädchen mit 12, im ortodoxen nichts, im konservativen pp nur teilweise, Hochzeit, Familie – Tisch = Altar – Schabbat - Feste – Tod – Beerdigung.

Was ist koscher (tauglich, sauber, rein) spirituelle und moralische Bedeutung - - keine Askese, kein Zölibat, keine Unterdrückung, Essen, Trinken, Sex – Natur des Menschen, Genuss ist Geschenk Gottes, das Profane ist zu heiligen – Mitzwot die Ge- und Verbotes sind die Richtlinie.

Gegenteil: Tameh = unrein, Zustand moralischer und religöser Unreinheit, die die Seele und den Charakter negativ beeinflusst, Unreine Taten, Inzest, Götzendienst, üble Nachrede, Vergehen gegen jüdischen Moralkodex – Regeln des Kaschrut. Mit medizinischen Vorbehalten hat es eher nichts zu tun, aber mit „Man ist, was man isst“ eher.

Juden in Deutschland bis ca. 1918

Anzahl der Juden in Deutschland
900 n.Chr. - ca. 5000
1000 n.Chr. - ca. 20.000
1600 n.Chr. - ca. 10.000
1700 n.Chr. - ca. 25.000
1815 n.Chr. - ca. 250.000
1848 n.Chr. - ca. 400.000
1933 n.Chr. - ca. 550.000 bei rd. 60.000.000 Einwohnern
1945 n.Chr. - ca. 7000
2004 n.Chr. - ca. 100.000
2021 n.Chr. - ca. 90.000 bei rd. 82.000.000 Einwohnern - Moslems ca. 4.500.000
1842: Düsseldorf 778, Elberfeld 356, Solingen 143, Lennep 20

Bevölkerungsanteil zu allen Zeiten war um die 1 Prozent.

In Kultur und Sprache kann man die europäischen Juden in diese beiden Gruppen unterscheiden:

Ashkenasi – Köln, Trier, Mainz, Worms Speyer Regensburg – später Osteuropa
Sepharden – Mittelmeerraum – Spanien, ab 1492 Holland, Belgien, Türkei, Griechenland

Seit mehr als 1700 Jahre leben Juden in Deutschland.

Zur Zeit des Römischen Reiches in Germania inferior - superior – zunächst kein Zugang zu öffentlichen Ämtern. Ab 200 n Chr. Zulassung zu öffentlichen Ämtern – Konstantin 321 n Chr. Pflicht zur Annahme öffentlicher Ämter

In Germania exterior – erst ab Ottonen/Salier nachweisbar

Karl d. Große – Großkaufmann Isaac brachte Elefant von Harun-Al-Rashid aus Bagdad von einer Reise im Auftrag Karls mit. Ludwig d. Fromme: Privilegien an Juden u.a. für Sklavenhandel Böhmen-Spanien

10 Jhr. rd. 5000 Juden im Hlg. Röm. Reich dt. Nation, 11. Jhdt. 20000 – Einwanderung aus Italien und Südfrankreich – Privilegien durch Ottonen und Salier zB Heinrich IV aber auch Staufer Friedrich I. Einrichtung Judenviertel – Judengasse – kein Zwang, sondern praktische Gründe Shabbat, Synagoge, Mitzwa usw. Selbstverwaltung Tätigkeit – Kreditgeschäfte, Handel, auch Ackerbürger und Handwerker Schutzbrief – Aber auch Willkür der Fürsten
(wobei – der war auch bei anderen Halbfreien = den meisten - vorhanden)
ab 1096 1, Kreuzzug – Rasche Verschlechterung Progrome 1103 Waffenverbot

1236 Kammerknechtschaft – Kredite, Ärzte, Techniker – Erlaubnis christliche Bedienstete und Sklaven zu haben. Süßkind von Trimberg – Minnesänger 1215: Konzil: Judenhut und gelber Fleck (manchmal nur am Ort, nicht außerhalb zu tragen)

Gottesmörder – Schwabenspiegel von 1275 erst um 1340 umgesetzt – Trennung im Alltag

Ritualmordvorwürfe 1235 Fulda – Friedrich II bekämpft u.a. die Legende
Marodierender verarmter Ritter – Armlederbande – Zerstörung von 150-200 jüd. Gemeinden 1300-1340 Große Pest 1350 – Brunnenvergiftung Schweiz – Elsass

Wiederaufnahme der Juden zu schlechteren Bedingungen – Nicht für Gruppen, sondern nur noch für einzelne Personen – Aufenthaltsbeschränkung auf wenige Jahre bedingt Auswanderung nach Polen Litauen – Jiddisch

Kredite, Zinsen, - Schulden – Tilgung – Neid – Judenwucher

Schuldentilgung per fürstlichem Dekret (Kaiser Wenzel)– Konzile von Konstanz und Basel 1390 und 1395 mussten Juden bezahlen (Kaiser Sigismund)

bedingt Auswanderung – städtische und staatliche Geldquelle versiegt – Verarmung der verbliebenen Juden – durch Kleinstaaterei häufige Wechsel der Wohnorte – Wanderjuden

1544 Reichstag Karl V erneuert die Privilegien (Berufung auf Friedrich II) in Opposition zu Luther, befürwortet durch Reuchlin – 

ab 1648 Verbesserung 1700-1750 Judenordnung Anzahl der zugelassenen Kinder erst 5 später nur 1 Kind, Rest musste auswandern.

Friedrich II Preußen Toleranz – Mendelsohn Varnhagen Joseph II Österreich z
bis 18. Jhd. Jüdische Namen, ab 18. Jhd. Familienname frei wählbar. 1779 Jülich-Berg Geleit-/Schutzbrief 1791 auf 16 Jahre 10000 Gld, Ehepaar, Kinder, Gesinde, Gewerbe-und Handelsfreiheit, 6 ¼ % Zinsen, Gewinn-/Gewerbesteuer-veranlagung begrenzt, Rechtssachen 1. Instanz Halacha/Rabbiner, (Scharia)u.a. Code Civil aber bereits 1808 „schändliches Dekret“ 1812 Preußen Jude sind (erstmals) Inländer und Staatsbürger ab 1815 teilweise Rücknahme 1819 Hep-Hep Aufstand

1848 Reformjudentum Assimilierung Revolution dt-dän, dt-dt. Dt-franz Kriege 1864, 1866, 1870/71, 1914-1918 Weltkrieg.

Bericht von der Führung mit Frau Tobias vom Max-Leven Zentrum am 06.10.2022 in SG-Ohligs

Jüdische Händler und ihre Familien auf der Düsseldorfer Str. in Ohligs um 1900-1945

Bei bestem Herbstwetter trafen wir uns mit Frau Tobias vom Max-Leven Zentrum am vergangenen Donnerstagnachmittag auf der Düsseldorfer Str. vor dem Haus Nr. 26. Die vielen Passanten störten uns nicht, selbst deren neugierige Blicke waren kein Problem, der singende Barde aber schon. Denn dabei hätten wir den Ausführungen von Frau Tobias nur sehr schwer folgen können. Also gingen wir 100 Meter zum Haus Nr. 49 weiter.

Bei der Einführung in das Thema „Jüdische Händler mit ihren Familien und deren Verbleib ab 1938“ besprachen wir zunächst, wieso es, gemessen an den übrigen Händlern und in Relation zum jüdischen Bevölkerungsanteil ab ca. 1890 so viele gab, woher und wie sie gerade auf Ohligs kamen.

Der Hinweis, dass den Juden lediglich Handel (vor allem Viehhandel und ambulanter Handel) neben dem Metzgerhandwerk als Betätigungsfeld blieben, ausgenommen die sehr kleine Schicht der Geldverleiher und Bankiers, wurde – ohne Diskussion  – so hingenommen. Die hohe Zahl an Medizinern, Juristen, Ingenieuren, aber auch Handwerkern, kaufmännischen Angestellten haben wir nicht weiter vertieft. Um das Jahr 1848 gab es in Preußen ca. 400.000 Juden bei rd. 35 Millionen Einwohnern und 1933 550.000 bei rd. 50 Millionen Einwohnern.

Jedenfalls hatte es sich wohl schnell nach dem Bau der Eisenbahnlinie und dem Bahnhof (zunächst als Walder Bahnhof) herumgesprochen, dass sich Ohligs zu einer „Boom-Town“ entwickelte, die dann den Bahnhof für sich beanspruchte und ihre ursprüngliche Mutter Merscheid quasi adoptierte. Das Fürstentum möge mir meine Sicht verzeihen.

Frau Tobias wies dann auf die in Buchform erschienene Dokumentation „Jüdische Kaufleute in Ohligs“, das sie zusammen mit Armin Schulte geschrieben hat und durch das Max-Leven-Zentrum und dem Stadtarchiv herausgegeben wurde.

Dort ist sehr detailliert das bis dato recherchierte Leben der mehr als 12 Familien festgehalten, von denen uns 4 exemplarisch vorgestellt wurden. 

Henriette Marx war die erste. Sie zog 1906 als getrennt lebende schwangere Frau mit ihrem 1 Jahre alten Sohn Fritz nach Ohligs und eröffnete dort ihr Geschäft als „40. Gladbacher Fabrikdepot“. Die Tochter kam 1907 in Ohligs zur Welt. Im gleichen Jahr wurde sie von ihrem gewalttätigen Mann schuldlos geschieden. Die Zusammenfassung dessen, was ich nachgelesen habe, hat mich jedenfalls stark beeindruckt. Die ganze Sache spielte 1905-1907, 2022  wäre sie ebenso beachtlich.

Das Geschäft für Kleiderstoffe, Kurz-, Weiß- und Wollwaren Arbeiterkonfektion, Kinderkleidchen, Schürzen,  Bettwaren, Daunen, Federn, Flocken entwickelte sich so gut, dass sie 1909 an erster Stelle der jüdischen Steuerzahler in Ohligs stand. In einer Zeitungsanzeige aus dieser Zeit sucht sie nach einer Haushälterin, wobei ein tüchtiges Dienstmädchen im Haushalt mit den 4. und 5 jährigen Kindern vorhanden ist.

1912 heiratet Henriette Marx dann Simon Mayerhoff und nimmt dessen Namen an. 1931 geht das Kaufhaus in Konkurs. 1932 wird auf der Düsseldorfer Str. 17 wieder ein Geschäft eröffnet, das 2 Angestellte hat. Das Ehepaar Mayerhoff wurde als eine der ersten 1941 nach Lodz deportiert und 1942 im Vernichtungslager Chelmno in einem Gaswagen ermordet. Die Tochter und deren Ehemann konnten bereits 1938 in die USA emigrieren.

Viele Geschichten und Lebensläufe der Juden, sicher vor allem der Arrivierten, sind bei allen Unterschieden dann doch wiederum ähnlich für die Zeit zwischen 1900 und 1945.

Nach der Geschichte der Familie Marx/Mayerhoff folgte die der Familie Davids und dem von ihnen erbautes Eckhaus Düsseldorfer Str./Forststr., dann das Kaufhaus Paul Steeg mit seinen 45-60 Angestellten in bester Zeit, das spätere Kaufhaus Altmann, dann Douglas und gerade eben als Ohligser Supermarkt zu neuem Leben erweckt.

Als letzten Ort besuchten wir das aktuell „Ernstings family“, vorher lange Jahre „Zigarren Jahn“ beherbergende Haus Düsseldorfer Str. 26. 1897 gründete dort Julius Steinberger aus Hessen mit seiner Frau Sybila Herz aus Richrath ein Kaufhaus für Mode, Damen- und Herrenkonfektion, Betten, Bettwaren, Matratzen, Bettwäsche und Gardinen. Von Geschäftssinn gepaart mit vaterländischer Gesinnung zeugt eine Anzeige 1914, in der 10 % des Umsatzes an 3 Tagen, der selbstbewußten Stadt Ohligs für gemeinnützige Zwecke und für verwundete Soldaten gespendet wurde. Julius Steinberger war Mitglied der DDP, der IHK und Vorsitzender des Ohligser Gewerbevereins. 1927 gab er das Warenhaus auf und gründete 1930 eine Produktion und Handel für Rasierklingen und Taschenmesser. Er war auch einer der vehementesten Verteidiger der Selbstständigkeit der Stadt Ohligs bei der Eingemeindung 1929 zur Großstadt Solingen. Als er 1932 verstarb erschien eine ausführliche Anzeige des Gewerbevereins im Ohligser Anzeiger.

Die Führung durch Daniela Tobias war für uns ein Blick in eine Zeit der Ohligser Geschichte, die golden begann und in Emigration, Vertreibung, Deportation, Zerstörung und Ermordung für einen bedeutenden Teil der Bürger endete, die jedoch durch die Erinnerung, nicht zuletzt mit Hilfe der „Stolpersteine“, weiterleben.

Mit einem unterhaltsamen genussvollen Abend im spanischen Restaurant El Toro haben wir diesen Abend beschlossen.

Klaus Schaberg

Die Fotos der Führung wurden von Klaus Bruch aus der ZWAR-Fotogruppe beigesteuert. Bilder zum vergrößern bitte anklicken.

Bericht Boomtown Elberfeld-Stadthalle vom 24.09.2022

Boom-Town Elberfeld – Stadthalle – Briller Viertel und Luisenviertel

Am Samstagmittag trafen wir uns am Ohligser Bahnhof zur Fahrt nach Wuppertal. Vor der historischen Stadthalle kamen  noch weitere 3 Teilnehmer hinzu. In der Wandelhalle empfing uns ein ehemaliges heute pensioniertes Mitglied der Geschäftsleitung als unser Führer.

Es wurden beeindruckende unvergessliche 1 ¾ Stunden, in den wir nahezu das gesamte Haus kennenlernten. Neben den vielen technischen Einzelheiten, der Baugeschichte, den Bausünden der 50er Jahre, der aufwändigen Renovierung Ende der 90er Jahre, den Unfällen und Unglücken, der aktuellen Situation, der Nutzungsmöglichkeiten, der Organisationstruktur bis hin zu den Veranstaltungen und Preisen, nichts blieb offen oder unbeantwortet. Das alles in angenehmem Plauderton wie unter Freunden. Die Führung alleine war schon besonders.

Die Stadthalle Wuppertal erinnert äußerlich  stark an den Reichstag, den heutigen Bundestag. Bergisch eigenbrötlerisch wurde der Architekturwettbewerb übergangen und unter dem  Einfluss von Paul Wallot dann Elberfeld eigen der Bau ausgeführt. Gespart wurde dabei an nichts. Denn Elberfeld war zu dieser Zeit die reichste Stadt in Preussen. Die reichen Bürger brauchten eine ihnen angemessene Örtlichkeit für Feste, Feiern, Musik und sonstige Kultur. Es war auch ein Wunder, dass die Stadthalle quasi unzerstört den 2. Weltkrieg überstand. Aber – wie das so ist – der alte Plunder musste weg und wurde verbrettert und übertüncht. Manches wurde auch unwiederbringbar zerstört.

Eindrucksvoll und detailreich schilderte unser Führer die Renovierungsarbeiten ab den 90er Jahren, bei dem fast alles wiederhergestellt wurde und in neuem alten Glanz erstrahlte. Der virtuelle Rundgang auf der Internetseite www.stadthalle.de zeigt besser die vielen Räumlichkeiten, als ich sie beschreiben könnte. Für uns, die bei der Führung dabei waren, werden bei der Betrachtung der Bilder sicher eine Reihe von Einzelheiten, Begebenheiten, Besonderheiten in Erinnerung bleiben.

Jedenfalls war das Interesse bei uns bereits so groß, dass die eine oder andere sich bereits nach den Einzelheiten und Preisen für die Anmietung einzelner Säle erkundigten. Warum ZWAR nicht mal in der Stadthalle? Was die reichen Bürger vor 120 Jahren konnten, könnten wir ja auch mal.

Aber zunächst fuhren wir nicht so standesgemäß wie diese, aber doch bequem mit dem ÖPNV zum Briller Viertel. Dort konnten wir uns dann die privaten Schlösser, Villen und herrschaftlichen Gebäude derer ansehen, die größtenteils die Stadthalle finanziert und genutzt haben.

Gründerjahregebäude nennen wir ja heutzutage Gebäude des Historismus, frei nach Frau Dr. Heide 1. – 17. Rokoko, Neugotisch, klassizistisch, Neubarock. Im Briller Viertel kam dann zusätzlich noch eine bergische Komponente an den einen oder anderen Wänden und Fenstern dazu. Insgesamt mehrheitlich pompös. Manches hätte ein Zuckerbäcker bei seiner Hochzeitstorte zu dieser  Zeit auch nicht anders gemacht. Aber – auch wenn man das nicht immer zugibt – sehr imposant.

Bewaffnet mit Smartphone, Maps und der Liste der Baudenkmäler Wuppertal, Kategorie Elberfeld konnten wir dann die Bemerkungen des Denkmalamtes zu einzelnen Häusern nachlesen. Der Spaziergang von rd. 1 Stunde war insoweit kurzweilig und trocken. Er führte uns an den Deweerthschen Gärten vorbei in das ebenso auch heute noch angesagte Luisenviertel zum Restaurant Katzengold, eines von Wuppertal-Kennerinnen hochgelobtes Etablissement.

Gut, wenn man in seiner Email für zwischen 17:30 h und 18:00 h reserviert, darf man sich nicht wundern, dass die Tische erst ab 18.00 Uhr frei sind. Wundern durfte man sich hingegen, dass es die Getränke so wie vor 2 Tagen nicht mehr gab, dass gefühlte 70 % der Angebote auf der Tageskarte noch vor 18.00 Uhr nicht mehr verfügbar waren, dass es auch ansonsten eine Menge Irritationen beim Service gab. Tröstlich war, dass die Wuppertal-Expertinnen meinten, dass es viel schöner dort ist, wenn man nur zu zweit oder viert dort isst.

Problemlos und friedlich gingen die einen und fuhren die anderen zum Bahnhof und in 13 Minuten von dort nach Ohligs.

Gute Fotos gibt es auf der Internet Seite der Stadthalle, hier, dazu  einige unseres Ausflugs, siehe Galerie unten~Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Bilder vom Ausflug nach Wuppertal am 20.08.2022               Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Impressionismus

Impressionismus (von lateinisch impressio "Eindruck", über das französische impressionnisme) ist eine Stilrichtung in der Kunstgeschichte, die durch die stimmungsvolle Darstellung von flüchtigen Momentaufnahmen einer Szenerie gekennzeichnet ist. Sie entstand aus einer Bewegung innerhalb der Malerei in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Begriff Impressionismus wurde auch auf bestimmte Stilrichtungen in der Musik, in der Literatur, im Film und in der Fotografie übertragen. 

Schon 1861 bezeichnete Theophile Gautier die Malweise von Francoise Daubignys, die er als zu flüchtig empfand, als „Impression“.

Der Begriff etablierte sich als kunstwissenschaftlicher Begriff 1874, als ihn einige Rezensenten aufgriffen, um die Werke der jungen Künstler in der am 15. April 1874 eröffneten Ausstellung am Boulevard des Capucines 35 zu beschreiben. Der progressiv-radikale Journalist und Kunstkritiker Jules-Antoine Castagnary, der schon die Rolle seines Freundes Gustave Courbet (Der Ursprung der Welt) in der Pariser Kommune verteidigt hatte, erörterte in seinem Aufsatz unter anderem die Frage, wie die Künstlergruppe zu nennen sei. Mit Verweis auf Monets Gemälde Impression – soleil levant (Impressions – Sonnenaufgang) kommentierte er: „Wollte man sie mit einem erläuternden Wort charakterisieren, müsste man den neuen Begriff Impressionisten schaffen. Sie sind Impressionisten in dem Sinn, dass sie nicht eine Landschaft wiedergeben, sondern den von ihr hervorgerufenen Eindruck.“ 

In der kunsthistorischen Literatur wird oftmals der Kunstkritiker Lous Leroy als Schöpfer des Begriffs Impressionismus genannt. Dieser veröffentlichte am 25. April 1874 einen Artikel in der Satirezeitschrift Le Charivari. Wie Ian Dunlop jedoch anmerkt, ist der Begriff des Impressionismus bereits in den 1860er und 1870er Jahren gebräuchlich und vor Monet schon im Zusammenhang mit anderen Landschaftsmalern genutzt worden. In der Folge verwendeten zahlreiche Künstler diese Bezeichnung, die bei den Vorbereitungen zur dritten Impressionisten-Ausstellung im Jahr 1877 auch offiziell Verwendung fand. 

Hier nun die Version in der kunsthistorischen Literatur:
Am 18. April 1874 stellte in Paris in den Räumen des Fotografen Felix Nadar eine Gruppe junger und bis dahin unbekannter Künstler ihre Werke aus, für die sie in den offiziellen Pariser Salons keinen Zugang gefunden hatten. 
Die Ausstellung wurde zu einem öffentlichen Skandal. Das Publikum empfand diese Bilder als Zumutung, denn noch niemals hatte man derartiges gesehen, das in so krassem Gegensatz zum damaligen Zeitgeschmack stand

Diese Empörung wurde auch von den Kunstkritikern in vollem Umfang geteilt, und der Journalist Leroy bezeichnete in einem satirischen Artikel die Künstler als „Impressionisten“, ein Begriff, den er von einem Bild Monets mit dem Titel „Impression, soleil levant“ (Impression, Sonnenaufgang) abgeleitet hatte.

Spöttisch äußerte sich der Kritiker: „Der für dieses Gemälde verantwortliche Farbenkleckser muss wohl ein Impressionist sein, denn er gibt lediglich seine Impression wieder“. 

Damit hatte die Öffentlichkeit einen Namen für die neue Kunstrichtung, der, zunächst ironisch gemeint, von den an der Ausstellung beteiligten Künstlern, nämlich u.a. Monet, Renoir, Pissarro, Sisley, Cezanne und Degas, zur offiziellen Bezeichnung erhoben wurde.

Das Aufsehen, das die Impressionisten in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in Paris erregte, erscheint uns heute unbegreiflich, weil diese Maler keineswegs Revolutionäre waren, als welche man sie damals hinstellte. 
Es handelte sich keinesfalls um natur- und wirklichkeitsverneinende Darstellungsweisen, sondern um realistische Darstellungen. 

Es handelt sich um verfeinerte Sichtweise, die sie von fotografischer Genauigkeit unterscheidet. 
Nicht der Gegenstand interessiert, sondern dessen momentane Erscheinung, wie er sich unter bestimmten Voraussetzungen dem Auge des Künstlers darbietet.
Ihn interessiert das Spiel des Lichts, das den Gegenstand oder die Landschaft zu jeder Tageszeit verändert, der Wechsel von Licht und Schatten, der Reiz einer flüchtigen Bewegung, die Augenblicklichkeit.

Ein weiterer Unterschied war die Verwendung reiner Farben, da vordem ein einheitlicher Gesamtton, meist bräunlich oder grünlich vorherrschte. 
Bei ihnen war das Licht nicht nur hell, sondern es hatte verschiedene Farbwerte. 

Klare, nachverfolgbare Linien verschwanden, die Umrisse wurden verwischt, überspielte erkennbare Formen und löste Gegenständliches in atmosphärische Unwirklichkeit auf.
Details, auf die Akademiemaler so großen Wert legten, wurden vernachlässigt.
Das Bild war eine Einheit und sollte als Einheit betrachtet werden.

Die flüchtige Pinselführung war dabei beabsichtigt.
Ohne die Erkennbarkeit zu beeinträchtigen erfasste man die darzustellende Formen in vagen Umrissen, und in dem man scharfe Begrenzungen vermied, ergaben sich die Übergänge weich und mühelos. 

Die Bildoberfläche bekam eine lebendige Struktur.
Die Farbe blieb, wie sie von der Palette kam, oft unverstrichen stehen und bildete scharfe Grate und klumpige Anhäufungen. 

Das Handschriftliche trat jetzt schon von der Maltechnik unverwechselbar hervor.

Revolutionierend war das nicht, denn die Meister des 17. und 18 Jahrhunderts Velasquez, Frans Hals, Constable, selbst Rembrandt und Turner hatten sich dieser Techniken und Methoden der Darstellung bedient.

Um den visuellen Eindruck unmittelbar festhalten zu können, war es oft und eher notwendig an die Örtlichkeiten zu gehen und unmittelbar dort zu malen, sei es in einem bestimmten Raum, Saal, Platz oder eben im Freien.

Frankreich ist der Ort der impressionistischen Malerei.
Erst spät hat z.B. in Deutschland aus der Tradition der realistischen Malerei z.B. Leibl und Thoma sich mit Corinth, Slevogt und Liebermann ein deutscher Impressionismus herausgebildet.

Der Impressionismus hat erhebliche Bedeutung für die moderne Malerei.                   Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Mister Bauhaus, Walter Gropius

Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau. Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück. Walter Gropius Bauhaus Manifest 1919

1883 in Berlin geboren – Architektenfamilie – Vater Geheimer Baurat, Onkel Schinkel Schüler – gehobenes Bürgertum.
Nachweislich konnte er überhaupt nicht zeichnen, hatte auch erhebliche mathematische Defizite, handwerklich ebenfalls unbegabt. „Selbst ein gerader Strich gelingt mir nicht“.

Akademischer Werdegang: 1903-1908 Architekturstudium ohne Abschluss an 2 Akademien.
1908 auf Vermittlung von Karl Ernst Osthaus Anstellung im Architekturbüro von Peter Behrens. Osthaus angeblich auf einer Reise in Madrid kennengelernt. Nach eigener Aussage in den 50er/60er Jahren: Faktotum bei Behrens. Tennispartner für die 14 jährige Tochter ist belegt. Bauleiter bei Haus Cuno und Haus Schröder in Hagen (Osthaus Vermittlung).

Im Büro Behrens mit Mies v.d.Rohe, Le Courbusier Meyer und Hertwig. Gropius mit Zeichenbrett in der Hand.
1910 selbständiger Architekt und Industriedesigner  Mitarbeiter: Adolf Meyer + Carl Fieger  (ex Behrens Mitarbeiter)

1910 Alma Mahler Beginn einer außerehelichen Beziehung

1910 durch Vermittlung von Osthaus Mitglied im Deutschen Werkbund

1911 Fagus Werke Alsfeld, Vorentwurf Eduard Wagner, Mitarbeit Adolf Meyer und Carl Fieger

1912 Organisation des Osthaus Museums in Hagen, Deutsches Museum für Kunst in Handel und Gewerbe später im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld

1914 Werkbundausstellung in Köln Fabrik mit Adolf Meyer (rund verglaste Treppentürme)

1914-1918 Kriegsdienst als Unteroffizier, verwundet

1915 Heirat mit Alma Mahler
1916 Tochter Manon

1918 Novemberrevolution - Arbeitsrat für Kunst 
„An der Spitze steht der Leitsatz: Kunst und Volk müssen eine Einheit bilden. Die Kunst soll nicht mehr Genuss weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein. Zusammenschluss der Künste unter den Flügeln einer großen Baukunst ist das Ziel.“

– Flugblatt vom 1. März 1919 –  Zusammenarbeit zwischen Novembergruppe und Werkbund.

Zusammenschluss bedeutender deutscher Künstler dieser Zeit. Primat der Architektur: Niederreißen aller Kriegerdenkmäler – Kunst Mittel zur Revolutionierung der Gesellschaft.

1919 Auf Vorschlag von Henry van de Velde (Osthaus?) zum Nachfolger an der Kunstgewerbeschule Weimar (1905 von v.d. Velde gegründet) aus finanziellen Gründen mit Kunstschule Weimar vereinigt (kein Herzogtum, keine Finanzierung vom Herzog mehr sondern Republik, USPD Regierung).

Bauhaus – Name durch Gropius in Anlehnung an Bauhütte

Gropius war kein Architekt wie v.d. Velde, Behrens, Mies v.d.Rohe, Le Corbusier, Hannes Meyer, Adolf Meyer, Carl Fieger.

Er war Organisator, Kommunikator, PR-Talent, Womanizer, 

Ilse Behrendt – trotz wohl auch gegenseitiger außerehelicher Beziehungen Verhältnis 50:2 für Walter – immer Sekretärin, Mitgestalterin, Texterin, Redakteurin seiner Veröffentlichungen.

Bauhaus hatte von 1919 bis 1927 keine Architekturklasse.

Als erste Lehrer holte Gropius Itten (Glas, Metall, Möbel) und Grunow – für die Vorkurse = Farblehre und Harmonielehre

Feininger 1919 für Druck, Gerhard Marcks Bildhauerei, 1920 Oskar Schlemmer Wandmidlmalerei, Paul Klee Buchbinderei, Georg Muche Weberei, 1921 Wassily Kandinsky 

Erst 1927 Hannes Meyer Architektur – Leiter bis 1929 (Volksbedarf statt Luxusbedarf)

Gropius war – auch wenn er nicht mehr Direktor war – der Mister Bauhaus, der er bis zu seinem Lebensende blieb.

Welchen Namen und welche Wirkung der Name Gropius bereits in dieser Zeit entfaltete, kann man an diesem Adler Modell von 1929 ersehen, dem Adler Gropius 1900 für eine Automobilausstellung in Paris. Es wurden 2 Exemplare gebaut. Adler 1900, das Auto von Clairelenore Stinnes.

Dem Begriff Bauhaus – quasi seine Corporate Identity a la Behrens blieb er treu – ebenso wie seiner vorherige Lebensart auch - als er in USA The Architects Collaborative (TAC) Architekturbüro gründete, das von 1945 bis 1995 existierte.

Für Gropius „Manifest seines Glaubens an die Bedeutung der Teamarbeit“. Teamarbeit unter der Voraussetzung, dass er der Teamchef ist. Mit Inge Gropius: „Arbeit auf Augenhöhe“.

Es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass er architektonische Ideen auch verbal entwickeln konnte; allerdings fehlt mir dazu die professionelle Vorstellungskraft von jemandem, der Zeichnen kann oder Architektur studiert hat und den Beruf ausgeübt hat.

Eine Herabwürdigung seines Schaffens sehe ich darin nicht. Die Glorifizierung seiner Person aber auch nicht.
 

Ehepaar Anni und Josef Albers

Anni Albers, geborene Annelise Fleischmann 1899-1994, deutsch-amerikanische Textilkünstlerin, Weberin und Grafikerin. Großbürgerliche Familie. Stammte aus der Verlegerfamilie Ullstein, aus Ullstein Biografie: „..die schwierigste. Sie war auch die Schönste, eine Femme fatale ersten Ranges … Bohémienne wollte sie sein, Revolutionärin, Künstlerin.“ 
Mit 17 Studienatelier für Malerei und Plastik dreijährige akademische Ausbildung, keine Zulassung an die Dresdner Akademie für Malerei , 1919 Hamburg Kunstgewerbeschule. 

1922 Studium am Bauhaus. Vorkurs bei Itten und Muche, ab 1925 bei Moholy Nagy und Josef Albers, Heirat. 
1925 Entritt in Werkstatt Weberei unter Leitung von Gunta Stölzl. Ab 1931 leitete Albers als Nachfolgerin von Gunta Stölzl die Weberei am Bauhaus Dessau. 
1939-1949 Assistant Professor Black Mountain College, mit Wechsel von J. Albers nach Yale, freie Künstlerin. Abstrakte Grafik, Zusammenarbeit mit Florence Knoll. 

Josef Albers 1888 Bottrop; 1976 in New Haven, Connecticut) deutscher Maler, Kunsttheoretiker und -pädagoge. Sohn des Malermeisters Lorenz Albers 
Lehrerseminar - Volksschullehrer. Durch Piet Mondrian inspiriert, malte er 1913 sein erstes abstraktes Bild. Studium Königlichen Kunstschule in Berlin sowie Kunstgewerbeschule in Essen, 1916 bis 1919 Akademie der Bildenden Künste Berlin, 1919–1920 bei Franz von Stuck an der Kunstakademie in München.

1920 Vorkurs Bauhaus Weimar Johannes Itten, arbeitete außer bei Fotografien und Gebrauchsgegenständen seitdem abstrakt. Werkstatt für Glasmalerei, Werkstatt für Wandmalerei. Assemblagen (Collage mit plastische Objekten).

Lehrte von 1923 bis 1933 als Jungmeister und Bauhausmeister im Vorkurs, 1928 bis 1933 alleine. Zusätzlich übernahm er die Möbelwerkstatt. Albers leitete in seiner Lehre stets Formen und Funktionen aus den Eigenschaften von Materialien und ihren Möglichkeiten ab. 

1925 Dessau, Heirat Annelise Fleischmann, 1927 Ensemble von 18 Glasfenstern im Leipziger Grassi Museum, 

1930-33 Stellvertreter von Mies v.d. Rohe. 1933 Flucht in die USA. 1937 „Entartete Kunst“ Einband der Bauhaus-Mappe „Neue europäische Graphik Deutscher Künstler“ beschlagnahmt und vernichtet. 

1933-1949 Kunsthochschule Black Mountain College in North Carolina, Lehrer und Rektor - Schüler u.a.: Robert Rauschenberg, 1935 Josef und Anni Albers erste von 14 Kuba- und Mexiko-Besuche, indigene Bau- und Webkunst 1939  amerikanische Staatsbürger-schaft. 1950-1959 Yale-Universität und Leitung Art Department. zahlreiche Gastdozenturen (so in Harvard, Hartford, Havanna und Santiago de Chile). In den Jahren 1954/55 Gastprofessor Hochschule für Gestaltung in Ulm, Albers experimentierte mit Farben, Formen, Linien, Flächen und ihren Wechselwirkungen auf die kognitive wie subjektive, visuelle Wahrnehmung: „Nur der Schein trügt nicht“. Großer Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Malerei. 

„Hommage to the Square“  Mit dieser Serie dokumentiert er seine Untersuchungen über das Zusammenwirken (interaction of color, 1971) von drei bis vier ineinandergefügten, ungemischt auf den Bildträger gespachtelten, quadratischen Farbflächen, deren Artikel-Nummern er auf der Rückseite der Bilder vermerkte, um zu verdeutlichen, dass ein Betrachter Farben für sich und miteinander je nach Umgebung völlig unterschiedlich wahrnimmt. 

Teilnehmer 1. documenta 1955 und 4. documenta 1968. 

1971: gemeinnützige Gesellschaft The Josef & Anni Albers Foundation, um das Sehvermögen durch Kunst zu erwecken und zu fördern. 1983 Eröffnung des Josef-Albers-Museum im Quadrat Bottrop bei, Anni Albers schenkte dem Museum Werke aus dem Nachlass ihres Mannes Josef.  

Wie sich der aus einer Handwerkerfamilie in Bottrop stammende Josef Albers und Annelise Fleischmann am Bauhaus begegneten, gibt einen Einblick in das Leben an der berühmtesten Kunstschule der Welt. Nachdem die Studentin am Ende des Vorkurses bei Johannes Itten nicht in eine Klasse aufgenommen wurde, bekam sie von einer Freundin die Empfehlung, sich doch von Josef Albers auf die nächste Prüfung vorbereiten zu lassen. Der elf Jahre ältere Student machte auch als Erscheinung "dünn, asketisch und mit gewaltigem blonden Seitenscheitel" auf die Schüchterne großen Eindruck. Dass er sie umgekehrt auch schätzte, erfuhr sie bei einer Weihnachtsfeier, als sie aus dem Sack des Weihnachtsmannes (verkörpert vom Bauhaus-Gründer Walter Gropius) ein Geschenkpaket von Josef Albers ausgehändigt bekam, einen Kunstdruck der "Flucht nach Ägypten" des Renaissance-Künstlers Giotto.

Das am Bauhaus ausgebildete Paar Josef und Anni Albers pflegte in der Rückschau den Prototypus eines modernen, aufgeräumten Lebensstils: spartanisch veranlagt schätzten sie leere Räume und funktionale Objekte. Eine private Aufnahme des Schlafzimmers im ersten Stock des Dessauer Meisterhauses zeigt Annis Bett, das aus einem Stahlrohrrahmen mit schlichter Matratze besteht. Auf schlanken Glas-Konsolen stehen Telefon, technoide Lampe und Ventilator - ein größerer Gegensatz zur elterlichen Villa in Berlin, die mit historisierendem Nippes vollgestellt war, lässt sich kaum vorstellen. Die die gemeinsamen Vorstellungen von Leben und Werk vertieften sich in der Emigration. Die Sichtbarkeit von Anni Albers nahm in der Kunstszene hingegen ab, die in Dessau als Leiterin der Weberei immerhin eine unabhängig bedeutende Position innehatte.

Josef Albers setzte seine Pädagogik als prägender Gründungsdirektor des Black Mountain Colleges und später in Yale fort, sie war dort lediglich als Lehrerin angestellt. Und während Josef Albers mit der Formel für seine unendlichen Variationen seiner "Homage to the Square" zur Marke für Abstraktion fort entwickelte, traten ihre erfolgreichen Entwürfe für Textilien in den Hintergrund. Obwohl sie für sich den Erfolg verbuchen konnte, als erste Textilkünstlerin überhaupt schon im Jahr 1949 am New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt zu werden.

Der Farbtheorie-Unterricht des Künstlers und einflussreichen Bauhaus-Lehrers Paul Klee hatte die stärksten Auswirkungen auf Albers eigenes Faden-Spektrum. Klug bediente sie sich seines chromatischen Systems der Mischung von Wasserfarben, um den Textilien neue Farbtöne zu geben, indem sie Farbblöcke auf unerwartete Weise zusammenstoßen ließ. "Sie nannte ihn ihren 'Gott'", erklärt Fox Weber ihre Verbindung zu Klee. "Sie hat seinen Ratschlag nie vergessen, 'eine Linie spazieren zu führen'." Heute beeinflussen Albers' eigene einfallsreiche Farbtöne die modernen Laufstege – die spielerischen Töne von Hermès für Frühling/Sommer 2019 zeigen, dass die Kreativdirektorin Nadège Vanhee-Cybulski direkt von den Garnen von Albers' Webstuhl beeinflusst wurde.

Das Paar heiratete 1925 (es wird gesagt, dass sie seine Pony-Frisur mochte) – und sie verbrachten nur selten Zeit getrennt voneinander. Oft sahen sie mehr aus wie Geschwister als wie Mann und Frau, so kleideten sie sich jahrelang in passenden Tweed-Mänteln von Abercrombie & Fitch mit Raglanärmeln. Lange Zeit nachdem Josef 1976 verstorben war (18 Jahre vor ihrem eigenen Tod) sagte Albers, dass sie es immer noch vermisste, ihm neue Hemden und Socken zu kaufen.

Bilder aus Oberhausen~Gasometer~Peter Behrens-Teatro am 25.06.2022 ~ zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Bericht aus Oberhausen, geht es hier

Bilder zum dritten Bauhaus-Symposium am 14.06.2022 ~ zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Bericht des dritten Bauhaus Symposiums, geht es hier

Bilder und detaillierter Vortrag zum 2. Bauhaus Symposion am 23.05.2022

Bilder zum ersten Bauhaus-Symposium am 03.05.2022 ~ zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Bericht des ersten Bauhaus Symposiums, geht es hier

Symposium vom 12.04.2022 Bilder im Barock

Peter-Paul Rubens, Raub der Töchter des Leukippos, um 1618

Zum Bericht des Symposiums, Malerei im Barock, geht es hier
 

Hier die Barock-Beispiel Bilder zum Bericht:

Peter-Paul Rubens, Selbstportrait mit seiner ersten Frau Isabella, um 1609

Frans Hals, Junge Frau, um 1658

Canaletto, Der Bucintoro in Venedig am Himmelsfahrtstag 1732

Jan Vermeer, Brief lesendes Mädchen, um 1657

Symposium vom 29.03.2022
Musik im Barock

Zum Bericht des Symposiums, Musik im Barock, geht es hier
 

Hier drei Barock-Beispiele zum Anhören:

Händel ~ Wassermusik

Monteverdi ~ L´Orfeo

Bach ~ Brandenburgisches Konzert Nr. 2

 

 

 

 

Link zum berühmten Kastraten des Barock, Farinelli

 

 

 

Gedichte vom 2 ten Symposium am 09.11.2021

Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig
ist des Menschen Ehre!
Über den, dem man hat müssen
heut' die Hände höflich küssen,
geht man morgen gar mit Füßen. 
Michale Franck(1609 - 1667), deutscher Kirchenliederdichter und Komponist

Ein hübsches Lärvchen ist ein Schmuck, der bald vergeht,
Ein Röslein das nicht lang in voller Blüte steht,
Ein Reiz, der flüchtig an der äußern Haut nur klebt,
Indes ein schöner Geist die Zeiten überlebt.
Molière (1622 - 1673), eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, französischer Komödiendichter und Schauspieler 

Der Morgen
Uns lockt die Morgenröte
In Busch und Wald
Wo schon der Hirten Flöte
Ins Land erschallt.
Die Lerche steigt und schwirret,
Von Lust erregt
Die Taube lacht und girret
Die Wachtel schlägt

Die Hügel und die Weide
Steht aufgehellt
Und Fruchtbarkeit und Freude
Beblümt das Feld.
Der Schmelz der grünen Flächen
Glänzt voller Pracht,
Und von den klaren Bächen
Entweicht die Nacht.

Der Hügel weiße Bürde,
Der Schafe Zucht,
Drängt sich aus Stall und Hürde
Mit froher Flucht.
Seht, wie der Mann der Herde
Den Morgen fühlt
Und auf der frischen Erde 
Den Buhler spielt!

Der Jäger macht schon rege
Und hetzt das Reh
Durch blutbetriefte Wege
Durch Busch und Klee.
Sein Hifthorn gibt das Zeichen;
Man eilt herbei;
Gleich schallt aus allen Sträuchern
Das Jagdgeschrei

Doch Phyllis' Herz erbebet
Bei dieser Lust;
Nun Zärtlichkeit belebet
Die sanfte Brust.
Laß uns die Täler suchen,
Geliebtes Kind,
Wo wir von Berg und Buchen
Umschlossen sind!

Erkenne dich im Bilde
Von jener Flur!
Sei stets, wie dies Gefilde,
Schön durch Natur,
Erwünschet als der Morgen,
Hold wie ein Srahl;
Sei frei von Stolz und Sorgen
Wie dieses Tal
Friedrich von Hagedorn (1708-1754)

Der Silvian, das fromme Blut!
Ihm glückt auch alles, was er tut.
Er lebt so friedsam, so vergnügt;
Ob er nicht ackert oder pflügt,
So bleibet er doch wohlversorgt:
Hat er kein Geld, ihm wird geborgt.
Sein Weib bleibt von ihm jede Nacht,
Doch jährlich ihn zum Vater macht.
Schaut, ob es ihm nicht wohl ergeht?
Er erntet, was ein andrer sät.
Ernst Christoph Homburg (1605 - 1681), deutscher Epigramm- und Kirchenlieddichter

Was ein Baum ist ohne Laub, 
was ein Kirchturm ohne Glocken,
was ein Keller ohne Wein, eine Suppe sonder Brocken,
was ein Schiff ist ohne Segel, was ein Anker ohne Grund,
was ein Schütze sonder Pulver, und ein Jäger ohne Hund,
was ein Weber ohne Garn, was ein Schlosser sonder Eisen,
was ein Bäcker ohne Mehl, und ein Garkoch ohne Speisen,
was ein Fuhrmann ohne Wagen, und ein Bauer ohne Feld;
dies, und zehnmal noch minder, ist der Adel ohne Geld.
Johann Grob (1643 - 1697), Schweizer Epigrammdichter

Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!
Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht.
Schon stund im Nebelkleid die Eiche
Wie ein getürmter Riese da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr.
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch tausendfacher war mein Mut,Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloß in Glut.

Ich sah dich, und die milde Freude
Floß aus dem süßen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter,
Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht.

Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!
Aus deinen Blicken sprach dein Herz.
In deinen Küssen welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du gingst, ich stund und sah zur Erden
Und sah dir nach mit nassem Blick.
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück! 
Wolfgang Goethe (1771)

Anders sein und anders scheinen,
anders reden, anders meinen,
alles loben, alles tragen,
allen heucheln, stets behagen,
allem Winde Segel geben,
Bös' und Guten dienstbar leben,
alles Tun und alles Dichten
bloß auf eignen Nutzen richten:
wer sich dessen will befleißen,
kann politisch heuer heißen.
Friedrich von Logau (1605 - 1655), Pseudonym: Salomon von Golaw, deutscher Dichter des Barocks aus schlesischem Adelsgeschlecht

Tränen des Vaterlandes'
Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun,
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.
Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehrt
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sindzerhaun
Die Jungfraun sind geschändt, und wo wir hin nur schaun,'
Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret
Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Srömer Flut,
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen
Doch schweig ich noch von dem , was ärger als der Tod.
Was grimmer denn als Pest und Glut und Hungersnot,
Daß auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen.
Andreas Gryphius (1636)

Vortrag zum 1. Symposium Barock am 19.10.2021

Barock ist ein Begriff für einen je nach Region unterschiedlichen bestimmten Stil für Architektur, Literatur, Musik, bildende Kunst, Mode, gesellschaftliches Leben.
Stil Bezeichnungen sind willkürlich, meist erst im Nachhinein gebräuchlich, mit Veränderungen der Interpretation. Meist zunächst abwertend, negativ, spöttisch, überheblich.
Barock – zunächst allgemein Das Regelwidrige, Sonderbare, Exzentrische, Bizarre, seltsam geformte, auch betrügerisch, schwülstig, kitschig, komisch, barocco – portugiesisch für „schief ungleichmäßig (z.B. bei Perlen)

Barock - Eine einheitliche Geisteshaltung im Kampf zwischen Ordnung einerseits und rastloser Bewegung andererseits findet Ausdruck in barocker Kunst.
Rastlose Bewegung ? Die entscheidenden Entdeckungen der Wissenschaft wurden gewonnen durch das Prinzip der Bewegung:

Wissenschaft Technik: Beispiele:
Blutkreislauf der Lebewesen (William Harvey 1578-1657)– Freier Fall Galilei Fernrohr Beschreibung Freier Fall 1609 Newton Gravitationsgesetz 1609 Keplersche Gesetze 1687- 3 Gesetze (Trägheit) – Leonard Euler 1707-1783 Otto v. Guericke 1654 Magdeburger Halbkugel/Wirkung des Luftdrucks Vacuum Leibniz usw usw.(Gegenstand eines Abends)
Philosophie – Gesellschaft – Politik – Religion 
Rationalismus – Moralphilosophie – Gesellschaftstheorie – aufgeklärter Absolutismus
Aufklärung – Pantheismus – „Gegenreformation“ = Katholische Repression und missionarische Rekatholisierung
Ökonomie, Theater, Feste (folgt später)

Demgegenüber stand der „menschliche“ Wunsch nach Ordnung, hier vor allem in der Gesellschaft – im Leben – in der Politik. – Ausdruck gerade harmonische und gleichförmige Linien in Architektur, Gartenbau!!!, jedoch überreich beladen zur demonstrativen Macht.

Was war geschehen? Die Renaissance – die Wiederentdeckung Griechenland und Rom,
wodurch?  1453 Konstantinopel – Türkisch-Arabischer Sieg weckt Begehrlichkeiten – Suche nach Alternativen führt zum Zeitalter der Entdeckungen – Neue Weltsicht – neue Anforderungen Buchdruck 1450/52, Reformation, Aufbegehren von Bürgern und Volk, erst in der Kirche (wir lesen die Bibel jetzt selbst) dann gegen Fürsten – Insgesamt Unsichere bedrohliche Zeiten.

Bruchstellen + Erklärung der regionalen Unterschiede barocker Ideen: 
1. Reichstag Augsburg 1555: Reichsstände durch die Reichskreise, das Reichskammergericht, die Münze an Macht gewannen durch die Schwäche des Kaisers. Die Macht verschob sich schrittweise auf Institutionen. Jedoch „cuius regio eius religio“ – Prunk, Verschwendung, Festkultur etc. sowie pompöse Bauwerke waren ein letztendlich gescheiterter Versuch der Fürsten die Form der Alleinherrschaft zu bewahren. Klar wurde das durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens, der zum Teil der deutschen Verfassung wurde und die Macht der Fürsten letztendlich weiter beschnitt.
Die Bürger in den Städten gewannen weiter an Einfluss gegenüber den Fürsten, 
2. Konzil von Trient 1545-1563: Gegenreformation – (1534 Jesuiten) 
    1559 Index Librorum Prohibitorum 1562 Il Gesu/Jesuiten (reinstes Barock heutige Lesart)
3. 1562 Frankreich: Hugenottenkriege 1572 Batholomäusnacht 1598 Edikt von Nantes 
    1685 Fontainebleau - Reunionskriege 1667-1697
4. England 1558 Elizabeth 1. 1581-1795 Niederländisch-Englische Seekriege
5. Ab 1564 Jesuiten in Polen – Repressionen – Bildung – Theater –„Monita Secreta“
6. Deutschland – Hlg.Röm.Reich  – Habsburg/Wittelsbach – Protestant. Fürsten
    1583-1595 Bruderzwist Rudolph II/ Matthias 1612 Kaiser 1619 Ferdinand II (Absolutismus + Gegenreformation) 
7. Schweden Großmachtträume ab 1611/1617

Anhand dieser Daten sehe ich Barockzeit den Zeitraum von ca. 1550 bis zum 1789. Offiziell von 1600 – ca. 1750 (wobei Rokoko teilweise nochmals abgesondert wird)

Die drei wichtigsten Motive des Barocks sind “Carpe diem”, “Memento mori” und “Vanitas”, drei lateinische Ausdrücke.

Carpe diem
“Genieße den Tag” (dt. für “Carpe diem”) steht für einen Aufruf seine Lebenszeit zu genießen und das Beste aus jedem Tag zu machen, anstatt nur “vor sich hin zu leben”. Die ständige Angst vor dem Tod sollte einen nicht daran hindern Mut fürs Leben zu haben. (Horaz – Pflücke den Tag (Kepos)– Lebe den Tag – -Nutze den Tag-  Epikur)

Memento mori
“Sei dir der Sterblichkeit bewusst” (dt. für “Memento mori”) steht für die Vergänglichkeit des Lebens und dient als Erinnerung an den unausweichlichen Tod. Es diente der Kirche als eine Warnung an alle Menschen vor dem moralischen Verfall. Gleichzeitig war es damit auch eine Aufforderung nach Selbstreflexion zur Hinwendung an Gott und die Kirche. (Rom - Siegeszug)

Vanitas
“Nichtigkeit” / ”Eitelkeit” / “Schein” (dt. für “Vanitas”) war eng mit dem Motiv des Memento mori verbunden. Es zeigt die Vergänglichkeit der Menschen und alles Irdischen, was auch als gottgewollt und unausweichlich gilt. Der Mensch sei machtlos, und soll nicht versuchen, das unausweichliche zu verhindern, es liege sowieso nicht in seiner Hand. Bilder, die verfallene Schönheit oder vergangene Zeit darstellen, zeigen deren Vergänglichkeit und dass es nicht möglich ist, diese Dinge ewig festzuhalten. 

Geschichtliche Einordnung:

1453 der Fall Konstantinopels an die Osmanen – Niedergang des Orienthandels über Venedig- Genua mit Anbindung an süddeutsche          Städte (Augsburg, Nürnberg)
1450 Gutenberg Buchdruck (dadurch Erfolg der Reformation ?) nationale Sprachen - Latein
1492 Kolumbus – 1497-99 Vasco da Gama – Entdeckungen, Neue Entwicklungen, Techniken
1517 Reformation Luther Hus Zwingli Erasmus
1524-26 Bauernkriege
1526-32 1. Türkenkrieg
1534 Gründung der Jesuiten
1545-63 Konzil von Trient – Gegenreformation

Was geschah im Barock:

1555 Augsburger Religionsfriede (cuius regio, eius religio)
1583 Kölner Krieg/Truchsessischer Krieg (Versuch Kölner Erzstift in erbliches Lehen zu wandeln – Protestanten/Katholiken
         vorgeschoben Sieg span-bayr. Truppen
1583-1604 Straßburger Kapitelstreit – Sieg katholischer Truppen beides casus belli
1608 protestantische Union – 1609 Katholische Liga – Friedrich V /Winterkönig
1609 Bergischer Erbfolgestreit Wolfgang Wilhelm Sigismund Spanien Frankreich Generalstaaten – 
(1614 Provisionalvergleich durch Vermittlung der 3 Staaten - in der Schwebe bis nach 1648: 1672=Ausgleich Aufteilung, Religionsausübung ja Status quo, aber ohne Toleranz) Grund der Einigung u.a. Expansion Ludwig XIV – Brandenburg wechselt öfter die Seiten, Jülich-Berg bleibt bei Habsburg) 
1617 z.B. Lutheraner und Calvinisten durch Wolfgang Wilhelm aus Bensberg vertrieben.
1618-48 30jähriger Krieg – mehrere Kriege – Wegen Plünderungen und Verwüstungen, vor allem durch Dezimierung der Bevölkerung durch Mord und Epidemien Abnutzung der Resourcen und dem Westfälischen Frieden dann so bezeichnet.
1620 Spanier (nach Winterkönig Kahlen Berg Pfalz im Bergischen Land) dann Generalstaaten (Pfaffenmütze im Rhein Berg Siegmündung) + Brandenburger

Folge: Nicht mehr Hierarchie der Fürsten, sondern Größe des Territoriums, Wirtschaftskraft, militärische Stärke (Söldnerheere)

Nationale Unabhängigkeit von Schweiz und Niederlande – Beginn der Nationalstaaten-Idee

1635-1659 Franz./span. Krieg Pyrenäenfrieden Jülich-Berg
1661-1715 Louis XIV
1653-1660 Karl I v . England – Cromwell Navigationsakte
1667-1714 Pfälzischer Erbfolgekrieg Jülich-Berg
1667-68 Devolutionskrieg (Erbfolge) 1. Reunionskrieg F/Span. Niederlande
1667-1714 Franz.-holl. Krieg Jülich-Berg
1683 2. Türkenkrieg – Türken vor Wien  Graf Starhemberg Kahlenberg Jan Sobieski
1683-84 Reunionskrieg Luxemburg – Trier – Katalonien -Navarra Jülich/Berg
1688/89 Glorious Revolution Bill of rights – kath. Jacob II durch Wilhelm v. Oranien
1689/91 Jakobitenaufstand – Penal Laws Oranien Ursache des Nordirlandkonflikts.
1700-1722 Großer Nordischer Krieg 1715-1733 August II v . Sachsen
1701-1704 Spanischer Erbfolgekrieg Jülich-Berg
1700-1722 Großer Nordischer Krieg
Maria Theresia 1717-1780 – Friedrich II 1712-1786
1740-42 1. Schlesischer Krieg Erbfolge – pragmatische. Sanktion
1756-62 7jähriger Krieg Jülich-Berg

Weitere Merkmale des Barocks
Wie schon beschrieben, ist der Barock und damit auch dessen Literatur von Gegensätzen geprägt. Dazu gehören unter anderem:
Das schöne Leben - Die Zerbrechlichkeit des Lebens - Wohlstand~Armut - Gesundheit~Krankheit - Diesseits~Jenseits - Sein~Schein Tugend - Erotik - Ewigkeit - Vergänglichkeit.

Barock modern mit Düsseldorfer Barock in der Altstadt, Bericht vom Besuch am 09.10.2021

Die Ausstellung Barock Modern im Kunstpalast Düsseldorf zeigt die Kunst der alten Meister neben der abstrakten, der informellen und der ZERO Kunst aus der Sammlung Kemp, vergleicht, reflektiert  und stellt Assoziationen her. Das wollten wir uns genauer ansehen.

Den gegenständlichen Darstellungen von Vergänglichkeit, leerem Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit – mit einem Wort Vanitas des Barock,  setzten die „heutigen“ Künstler ihre abstrakten Varianten zum selben Thema entgegen.

Die früheren Darstellungen sind jeweils plakativ, nur auf den ersten Blick schnell verständlich, aber auch nur, wenn man in dieser Zeit gelebt hat oder die jeweiligen Bedeutungen der Objekte, Details und Darstellungen aus Religion, Sitte, Kultur kennt. Die aktuelleren Objekte sind hingegen eher selten auf den ersten oder zweiten Blick verständlich; es braucht schon einiges an die Herangehensweise des Künstlers und Assoziationen, damit es sich einem eröffnet.

Den Kunstwerken beider Epochen ist oft gemeinsam, dass sie Interesse und Neugier wecken, egal ob sich später persönliche Zustimmung oder Ablehnung ergibt.

Am Beispiel eines Gartenzwergs aus Schokolade und eines Hasen aus Köttel und Mist von Dieter Roth sind auch durch das verwendete Material drastisch überzeichnete Adaptionen dieser Motive in ihrer verschiedenen Bedeutung zu den jeweiligen Epochen. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er im Zwerg den Gnom, den Spießer, den fleißigen Kerl und Bergmann oder im Hasen Lebenskraft, Auferstehung, oder einfach Wollust erkennt. Es sind jedenfalls kleine Schritte um sie mit Vergänglichkeit, Prahlerei, Vergeblichkeit in Verbindung zu bringen – und damit ist man eben wieder bei Vanitas, einem der drei zentralen Motive des Barock.

Soweit war ich gekommen. Ich fand es nicht schlecht – obwohl – kurzweilig geht anders.

Beim Ürigen der nächste Halt Bringt den Genuss von kühlem Alt
 Die Altstadt war ja brechend voll Denn auch die Witterung war toll
 Dann gabs als Krönung unsrer Reise „Im Schiffchen“ unsre Abendspeise
 Ein jeder soll nach freiem Willen Zum Abschluss seinen Hunger stillen

Durch die Tickets gab‘s die Möglichkeit Das jeder geht zu seiner Zeit
 Doch keiner musste sich beeilen Wer wollte konnte noch am Tisch verweilen
 Um miteinander noch zu plauschen Und Gedanken auszutauschen
 So sag ich ohne lange Wahl Wir freu`n uns schon aufs nächste Mal

Da erreichten mich mehrere Emails von Sylvia Schäfer und das Gedicht von Ralf Porath. Und siehe da – mein Bericht war gerettet. Denn, besser kann ich alles Weitere nicht beschreiben, als es Ralf kurz und knackig getan hat. Zusammen mit den Fotos von Sylvia wird ein schöner Schuh daraus.
Hier also alles Weitere von Ralf Porath:

Am 9.10. zählte nur Das Thema Kunst und auch Kultur
Und der Trip nur mit der Bahn
Der hat uns allen gutgetan
 Denn in Düsseldorf am Rhein
Da soll das Kunstmuseum sein
 Das Tagesthema war Barock Für Kunstbanausen mehr ein Schock

Klaus, zum Gruppenchef gekürt
Hat vorbildlich Regie geführt
 Und liebe Leute, auf ein Wort 
Für die Planung gab`s Support
 Es ist nun wirklich keine Frage
Das ich dafür Danke sage
 Willi Kemp gab seine Spende In Düsseldorf in gute Hände

Die Andreaskirche zeigte viel 
Über Kunstwerk in barockem Stil
 Von draußen hätt ich nie gedacht Das jemand drinnen so was macht
 Durch einen Unfall wohl bedingt Hat unser Klaus doch sehr gehinkt
 Die Rikscha sollte ihn entlasten Er braucht nicht durch die Stadt zu hasten

Bericht von Klaus Schaberg
14.10.2021

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