Nächste Termine für Symposion Impressionismus

Nächster Symposion Abend am Dienstag, 18.10.2022, um 18:00 h ~ Anmeldung bei Klaus erforderlich.

Bayrisches Wirtshaus, SG-Ohligs, am Ohligser Marktplatz

Neuer Termin: 06.10.2022, um 16:30 h ~ Führung in SG-Ohligs

Führung mit Frau Daniela Tobias über jüdisches Leben in Solingen, bezogen auf die Stolpersteine auf der Düsseldorfer Str. und unserer Gruppe. Treffpunkt ist vor dem Eingang Ernstings family Düsseldorfer Str. 26.

Die Führung dauert ca. 1 1/2 - 2 Stunden.
Eine Spendendose für die Leven-Stiftung bringt Frau Tobias mit, das Audio Equipment ist bei der angemeldeten Anzahl von Teilnehmern nicht erforderlich.
Anschließend habe ich für bis zu 15 Personen Platz im Restaurant El Toro Düsseldorfer Str. 42 / Eingang Forststr.,
ab 17:30 h - 18:00 h reserviert. Nach 1 1/2 Stunden langsam gehen und stehen das hoffentlich Richtige auch für Fußkranke.
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Hier noch einmal die Zusammenstellung unserer weiteren Vorhaben, neben den Symposien:
Exkursionen – meist mit Führung, gemeinsame Anreise, abschließendem geselligen Beisammensein: 

  Vorrangig Thema Impressionismus
- Oberhausen ~ Peter Behrens Haus mit Führung durch den LVR Bestand
  Gasometer-Das zerbrechliche Paradies – Klimageschichte der Erde bis 12/22
- Essen ~ Reddot Design Museum Zollverein – Folkwang Impressionisten bis 15.5.
- Hagen ~ Osthaus pp - 
- Krefeld ~ Kaiser Wilhelm Museum pp

  Andere Themen
- Wuppertal ~ von-der-Heydt+Engels-Haus+BrillerViertel+Parks
- Köln ~ Kolumba bis 15.8. Jüdisches Leben Kooperation mit MiQua - Dom –Schnütgen -Wallraf-Richartz(ab22.10.Susanna-Bilder      einer   Frau vom Mittelalter bis meetoo) – Ludwig 9 Pers max – MAKK Stadtmuseum – Rautenstrauch-Joest – Römisch-    Germanisches Museum.
- Bonn ~ Haus der Geschichte 
- Ratingen ~ Cromford, Von Luxus, Lust und Leid. 1800 – heute und Bilderserie „Natura Morta“
- Solingen ~ Max-Leven-Zentrum - Rundgang Ohligs jüdische Kaufleute - Galileum 
  Bergische Museumsbahn – Burgholz – Manuelkotten
- Brühl ~ mit Schloss und evtl. Museum Max Ernst

Bericht Boomtown Elberfeld-Stadthalle vom 24.09.2022

Boom-Town Elberfeld – Stadthalle – Briller Viertel und Luisenviertel

Am Samstagmittag trafen wir uns am Ohligser Bahnhof zur Fahrt nach Wuppertal. Vor der historischen Stadthalle kamen  noch weitere 3 Teilnehmer hinzu. In der Wandelhalle empfing uns ein ehemaliges heute pensioniertes Mitglied der Geschäftsleitung als unser Führer.

Es wurden beeindruckende unvergessliche 1 ¾ Stunden, in den wir nahezu das gesamte Haus kennenlernten. Neben den vielen technischen Einzelheiten, der Baugeschichte, den Bausünden der 50er Jahre, der aufwändigen Renovierung Ende der 90er Jahre, den Unfällen und Unglücken, der aktuellen Situation, der Nutzungsmöglichkeiten, der Organisationstruktur bis hin zu den Veranstaltungen und Preisen, nichts blieb offen oder unbeantwortet. Das alles in angenehmem Plauderton wie unter Freunden. Die Führung alleine war schon besonders.

Die Stadthalle Wuppertal erinnert äußerlich  stark an den Reichstag, den heutigen Bundestag. Bergisch eigenbrötlerisch wurde der Architekturwettbewerb übergangen und unter dem  Einfluss von Paul Wallot dann Elberfeld eigen der Bau ausgeführt. Gespart wurde dabei an nichts. Denn Elberfeld war zu dieser Zeit die reichste Stadt in Preussen. Die reichen Bürger brauchten eine ihnen angemessene Örtlichkeit für Feste, Feiern, Musik und sonstige Kultur. Es war auch ein Wunder, dass die Stadthalle quasi unzerstört den 2. Weltkrieg überstand. Aber – wie das so ist – der alte Plunder musste weg und wurde verbrettert und übertüncht. Manches wurde auch unwiederbringbar zerstört.

Eindrucksvoll und detailreich schilderte unser Führer die Renovierungsarbeiten ab den 90er Jahren, bei dem fast alles wiederhergestellt wurde und in neuem alten Glanz erstrahlte. Der virtuelle Rundgang auf der Internetseite www.stadthalle.de zeigt besser die vielen Räumlichkeiten, als ich sie beschreiben könnte. Für uns, die bei der Führung dabei waren, werden bei der Betrachtung der Bilder sicher eine Reihe von Einzelheiten, Begebenheiten, Besonderheiten in Erinnerung bleiben.

Jedenfalls war das Interesse bei uns bereits so groß, dass die eine oder andere sich bereits nach den Einzelheiten und Preisen für die Anmietung einzelner Säle erkundigten. Warum ZWAR nicht mal in der Stadthalle? Was die reichen Bürger vor 120 Jahren konnten, könnten wir ja auch mal.

Aber zunächst fuhren wir nicht so standesgemäß wie diese, aber doch bequem mit dem ÖPNV zum Briller Viertel. Dort konnten wir uns dann die privaten Schlösser, Villen und herrschaftlichen Gebäude derer ansehen, die größtenteils die Stadthalle finanziert und genutzt haben.

Gründerjahregebäude nennen wir ja heutzutage Gebäude des Historismus, frei nach Frau Dr. Heide 1. – 17. Rokoko, Neugotisch, klassizistisch, Neubarock. Im Briller Viertel kam dann zusätzlich noch eine bergische Komponente an den einen oder anderen Wänden und Fenstern dazu. Insgesamt mehrheitlich pompös. Manches hätte ein Zuckerbäcker bei seiner Hochzeitstorte zu dieser  Zeit auch nicht anders gemacht. Aber – auch wenn man das nicht immer zugibt – sehr imposant.

Bewaffnet mit Smartphone, Maps und der Liste der Baudenkmäler Wuppertal, Kategorie Elberfeld konnten wir dann die Bemerkungen des Denkmalamtes zu einzelnen Häusern nachlesen. Der Spaziergang von rd. 1 Stunde war insoweit kurzweilig und trocken. Er führte uns an den Deweerthschen Gärten vorbei in das ebenso auch heute noch angesagte Luisenviertel zum Restaurant Katzengold, eines von Wuppertal-Kennerinnen hochgelobtes Etablissement.

Gut, wenn man in seiner Email für zwischen 17:30 h und 18:00 h reserviert, darf man sich nicht wundern, dass die Tische erst ab 18.00 Uhr frei sind. Wundern durfte man sich hingegen, dass es die Getränke so wie vor 2 Tagen nicht mehr gab, dass gefühlte 70 % der Angebote auf der Tageskarte noch vor 18.00 Uhr nicht mehr verfügbar waren, dass es auch ansonsten eine Menge Irritationen beim Service gab. Tröstlich war, dass die Wuppertal-Expertinnen meinten, dass es viel schöner dort ist, wenn man nur zu zweit oder viert dort isst.

Problemlos und friedlich gingen die einen und fuhren die anderen zum Bahnhof und in 13 Minuten von dort nach Ohligs.

Gute Fotos gibt es auf der Internet Seite der Stadthalle, hier, dazu  einige unseres Ausflugs, siehe Galerie unten~Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Bilder vom Ausflug nach Wuppertal am 20.08.2022               Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Impressionismus

Impressionismus (von lateinisch impressio "Eindruck", über das französische impressionnisme) ist eine Stilrichtung in der Kunstgeschichte, die durch die stimmungsvolle Darstellung von flüchtigen Momentaufnahmen einer Szenerie gekennzeichnet ist. Sie entstand aus einer Bewegung innerhalb der Malerei in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Begriff Impressionismus wurde auch auf bestimmte Stilrichtungen in der Musik, in der Literatur, im Film und in der Fotografie übertragen. 

Schon 1861 bezeichnete Theophile Gautier die Malweise von Francoise Daubignys, die er als zu flüchtig empfand, als „Impression“.

Der Begriff etablierte sich als kunstwissenschaftlicher Begriff 1874, als ihn einige Rezensenten aufgriffen, um die Werke der jungen Künstler in der am 15. April 1874 eröffneten Ausstellung am Boulevard des Capucines 35 zu beschreiben. Der progressiv-radikale Journalist und Kunstkritiker Jules-Antoine Castagnary, der schon die Rolle seines Freundes Gustave Courbet (Der Ursprung der Welt) in der Pariser Kommune verteidigt hatte, erörterte in seinem Aufsatz unter anderem die Frage, wie die Künstlergruppe zu nennen sei. Mit Verweis auf Monets Gemälde Impression – soleil levant (Impressions – Sonnenaufgang) kommentierte er: „Wollte man sie mit einem erläuternden Wort charakterisieren, müsste man den neuen Begriff Impressionisten schaffen. Sie sind Impressionisten in dem Sinn, dass sie nicht eine Landschaft wiedergeben, sondern den von ihr hervorgerufenen Eindruck.“ 

In der kunsthistorischen Literatur wird oftmals der Kunstkritiker Lous Leroy als Schöpfer des Begriffs Impressionismus genannt. Dieser veröffentlichte am 25. April 1874 einen Artikel in der Satirezeitschrift Le Charivari. Wie Ian Dunlop jedoch anmerkt, ist der Begriff des Impressionismus bereits in den 1860er und 1870er Jahren gebräuchlich und vor Monet schon im Zusammenhang mit anderen Landschaftsmalern genutzt worden. In der Folge verwendeten zahlreiche Künstler diese Bezeichnung, die bei den Vorbereitungen zur dritten Impressionisten-Ausstellung im Jahr 1877 auch offiziell Verwendung fand. 

Hier nun die Version in der kunsthistorischen Literatur:
Am 18. April 1874 stellte in Paris in den Räumen des Fotografen Felix Nadar eine Gruppe junger und bis dahin unbekannter Künstler ihre Werke aus, für die sie in den offiziellen Pariser Salons keinen Zugang gefunden hatten. 
Die Ausstellung wurde zu einem öffentlichen Skandal. Das Publikum empfand diese Bilder als Zumutung, denn noch niemals hatte man derartiges gesehen, das in so krassem Gegensatz zum damaligen Zeitgeschmack stand

Diese Empörung wurde auch von den Kunstkritikern in vollem Umfang geteilt, und der Journalist Leroy bezeichnete in einem satirischen Artikel die Künstler als „Impressionisten“, ein Begriff, den er von einem Bild Monets mit dem Titel „Impression, soleil levant“ (Impression, Sonnenaufgang) abgeleitet hatte.

Spöttisch äußerte sich der Kritiker: „Der für dieses Gemälde verantwortliche Farbenkleckser muss wohl ein Impressionist sein, denn er gibt lediglich seine Impression wieder“. 

Damit hatte die Öffentlichkeit einen Namen für die neue Kunstrichtung, der, zunächst ironisch gemeint, von den an der Ausstellung beteiligten Künstlern, nämlich u.a. Monet, Renoir, Pissarro, Sisley, Cezanne und Degas, zur offiziellen Bezeichnung erhoben wurde.

Das Aufsehen, das die Impressionisten in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in Paris erregte, erscheint uns heute unbegreiflich, weil diese Maler keineswegs Revolutionäre waren, als welche man sie damals hinstellte. 
Es handelte sich keinesfalls um natur- und wirklichkeitsverneinende Darstellungsweisen, sondern um realistische Darstellungen. 

Es handelt sich um verfeinerte Sichtweise, die sie von fotografischer Genauigkeit unterscheidet. 
Nicht der Gegenstand interessiert, sondern dessen momentane Erscheinung, wie er sich unter bestimmten Voraussetzungen dem Auge des Künstlers darbietet.
Ihn interessiert das Spiel des Lichts, das den Gegenstand oder die Landschaft zu jeder Tageszeit verändert, der Wechsel von Licht und Schatten, der Reiz einer flüchtigen Bewegung, die Augenblicklichkeit.

Ein weiterer Unterschied war die Verwendung reiner Farben, da vordem ein einheitlicher Gesamtton, meist bräunlich oder grünlich vorherrschte. 
Bei ihnen war das Licht nicht nur hell, sondern es hatte verschiedene Farbwerte. 

Klare, nachverfolgbare Linien verschwanden, die Umrisse wurden verwischt, überspielte erkennbare Formen und löste Gegenständliches in atmosphärische Unwirklichkeit auf.
Details, auf die Akademiemaler so großen Wert legten, wurden vernachlässigt.
Das Bild war eine Einheit und sollte als Einheit betrachtet werden.

Die flüchtige Pinselführung war dabei beabsichtigt.
Ohne die Erkennbarkeit zu beeinträchtigen erfasste man die darzustellende Formen in vagen Umrissen, und in dem man scharfe Begrenzungen vermied, ergaben sich die Übergänge weich und mühelos. 

Die Bildoberfläche bekam eine lebendige Struktur.
Die Farbe blieb, wie sie von der Palette kam, oft unverstrichen stehen und bildete scharfe Grate und klumpige Anhäufungen. 

Das Handschriftliche trat jetzt schon von der Maltechnik unverwechselbar hervor.

Revolutionierend war das nicht, denn die Meister des 17. und 18 Jahrhunderts Velasquez, Frans Hals, Constable, selbst Rembrandt und Turner hatten sich dieser Techniken und Methoden der Darstellung bedient.

Um den visuellen Eindruck unmittelbar festhalten zu können, war es oft und eher notwendig an die Örtlichkeiten zu gehen und unmittelbar dort zu malen, sei es in einem bestimmten Raum, Saal, Platz oder eben im Freien.

Frankreich ist der Ort der impressionistischen Malerei.
Erst spät hat z.B. in Deutschland aus der Tradition der realistischen Malerei z.B. Leibl und Thoma sich mit Corinth, Slevogt und Liebermann ein deutscher Impressionismus herausgebildet.

Der Impressionismus hat erhebliche Bedeutung für die moderne Malerei.                   Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Mister Bauhaus, Walter Gropius

Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau. Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück. Walter Gropius Bauhaus Manifest 1919

1883 in Berlin geboren – Architektenfamilie – Vater Geheimer Baurat, Onkel Schinkel Schüler – gehobenes Bürgertum.
Nachweislich konnte er überhaupt nicht zeichnen, hatte auch erhebliche mathematische Defizite, handwerklich ebenfalls unbegabt. „Selbst ein gerader Strich gelingt mir nicht“.

Akademischer Werdegang: 1903-1908 Architekturstudium ohne Abschluss an 2 Akademien.
1908 auf Vermittlung von Karl Ernst Osthaus Anstellung im Architekturbüro von Peter Behrens. Osthaus angeblich auf einer Reise in Madrid kennengelernt. Nach eigener Aussage in den 50er/60er Jahren: Faktotum bei Behrens. Tennispartner für die 14 jährige Tochter ist belegt. Bauleiter bei Haus Cuno und Haus Schröder in Hagen (Osthaus Vermittlung).

Im Büro Behrens mit Mies v.d.Rohe, Le Courbusier Meyer und Hertwig. Gropius mit Zeichenbrett in der Hand.
1910 selbständiger Architekt und Industriedesigner  Mitarbeiter: Adolf Meyer + Carl Fieger  (ex Behrens Mitarbeiter)

1910 Alma Mahler Beginn einer außerehelichen Beziehung

1910 durch Vermittlung von Osthaus Mitglied im Deutschen Werkbund

1911 Fagus Werke Alsfeld, Vorentwurf Eduard Wagner, Mitarbeit Adolf Meyer und Carl Fieger

1912 Organisation des Osthaus Museums in Hagen, Deutsches Museum für Kunst in Handel und Gewerbe später im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld

1914 Werkbundausstellung in Köln Fabrik mit Adolf Meyer (rund verglaste Treppentürme)

1914-1918 Kriegsdienst als Unteroffizier, verwundet

1915 Heirat mit Alma Mahler
1916 Tochter Manon

1918 Novemberrevolution - Arbeitsrat für Kunst 
„An der Spitze steht der Leitsatz: Kunst und Volk müssen eine Einheit bilden. Die Kunst soll nicht mehr Genuss weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein. Zusammenschluss der Künste unter den Flügeln einer großen Baukunst ist das Ziel.“

– Flugblatt vom 1. März 1919 –  Zusammenarbeit zwischen Novembergruppe und Werkbund.

Zusammenschluss bedeutender deutscher Künstler dieser Zeit. Primat der Architektur: Niederreißen aller Kriegerdenkmäler – Kunst Mittel zur Revolutionierung der Gesellschaft.

1919 Auf Vorschlag von Henry van de Velde (Osthaus?) zum Nachfolger an der Kunstgewerbeschule Weimar (1905 von v.d. Velde gegründet) aus finanziellen Gründen mit Kunstschule Weimar vereinigt (kein Herzogtum, keine Finanzierung vom Herzog mehr sondern Republik, USPD Regierung).

Bauhaus – Name durch Gropius in Anlehnung an Bauhütte

Gropius war kein Architekt wie v.d. Velde, Behrens, Mies v.d.Rohe, Le Corbusier, Hannes Meyer, Adolf Meyer, Carl Fieger.

Er war Organisator, Kommunikator, PR-Talent, Womanizer, 

Ilse Behrendt – trotz wohl auch gegenseitiger außerehelicher Beziehungen Verhältnis 50:2 für Walter – immer Sekretärin, Mitgestalterin, Texterin, Redakteurin seiner Veröffentlichungen.

Bauhaus hatte von 1919 bis 1927 keine Architekturklasse.

Als erste Lehrer holte Gropius Itten (Glas, Metall, Möbel) und Grunow – für die Vorkurse = Farblehre und Harmonielehre

Feininger 1919 für Druck, Gerhard Marcks Bildhauerei, 1920 Oskar Schlemmer Wandmidlmalerei, Paul Klee Buchbinderei, Georg Muche Weberei, 1921 Wassily Kandinsky 

Erst 1927 Hannes Meyer Architektur – Leiter bis 1929 (Volksbedarf statt Luxusbedarf)

Gropius war – auch wenn er nicht mehr Direktor war – der Mister Bauhaus, der er bis zu seinem Lebensende blieb.

Welchen Namen und welche Wirkung der Name Gropius bereits in dieser Zeit entfaltete, kann man an diesem Adler Modell von 1929 ersehen, dem Adler Gropius 1900 für eine Automobilausstellung in Paris. Es wurden 2 Exemplare gebaut. Adler 1900, das Auto von Clairelenore Stinnes.

Dem Begriff Bauhaus – quasi seine Corporate Identity a la Behrens blieb er treu – ebenso wie seiner vorherige Lebensart auch - als er in USA The Architects Collaborative (TAC) Architekturbüro gründete, das von 1945 bis 1995 existierte.

Für Gropius „Manifest seines Glaubens an die Bedeutung der Teamarbeit“. Teamarbeit unter der Voraussetzung, dass er der Teamchef ist. Mit Inge Gropius: „Arbeit auf Augenhöhe“.

Es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass er architektonische Ideen auch verbal entwickeln konnte; allerdings fehlt mir dazu die professionelle Vorstellungskraft von jemandem, der Zeichnen kann oder Architektur studiert hat und den Beruf ausgeübt hat.

Eine Herabwürdigung seines Schaffens sehe ich darin nicht. Die Glorifizierung seiner Person aber auch nicht.
 

Ehepaar Anni und Josef Albers

Anni Albers, geborene Annelise Fleischmann 1899-1994, deutsch-amerikanische Textilkünstlerin, Weberin und Grafikerin. Großbürgerliche Familie. Stammte aus der Verlegerfamilie Ullstein, aus Ullstein Biografie: „..die schwierigste. Sie war auch die Schönste, eine Femme fatale ersten Ranges … Bohémienne wollte sie sein, Revolutionärin, Künstlerin.“ 
Mit 17 Studienatelier für Malerei und Plastik dreijährige akademische Ausbildung, keine Zulassung an die Dresdner Akademie für Malerei , 1919 Hamburg Kunstgewerbeschule. 

1922 Studium am Bauhaus. Vorkurs bei Itten und Muche, ab 1925 bei Moholy Nagy und Josef Albers, Heirat. 
1925 Entritt in Werkstatt Weberei unter Leitung von Gunta Stölzl. Ab 1931 leitete Albers als Nachfolgerin von Gunta Stölzl die Weberei am Bauhaus Dessau. 
1939-1949 Assistant Professor Black Mountain College, mit Wechsel von J. Albers nach Yale, freie Künstlerin. Abstrakte Grafik, Zusammenarbeit mit Florence Knoll. 

Josef Albers 1888 Bottrop; 1976 in New Haven, Connecticut) deutscher Maler, Kunsttheoretiker und -pädagoge. Sohn des Malermeisters Lorenz Albers 
Lehrerseminar - Volksschullehrer. Durch Piet Mondrian inspiriert, malte er 1913 sein erstes abstraktes Bild. Studium Königlichen Kunstschule in Berlin sowie Kunstgewerbeschule in Essen, 1916 bis 1919 Akademie der Bildenden Künste Berlin, 1919–1920 bei Franz von Stuck an der Kunstakademie in München.

1920 Vorkurs Bauhaus Weimar Johannes Itten, arbeitete außer bei Fotografien und Gebrauchsgegenständen seitdem abstrakt. Werkstatt für Glasmalerei, Werkstatt für Wandmalerei. Assemblagen (Collage mit plastische Objekten).

Lehrte von 1923 bis 1933 als Jungmeister und Bauhausmeister im Vorkurs, 1928 bis 1933 alleine. Zusätzlich übernahm er die Möbelwerkstatt. Albers leitete in seiner Lehre stets Formen und Funktionen aus den Eigenschaften von Materialien und ihren Möglichkeiten ab. 

1925 Dessau, Heirat Annelise Fleischmann, 1927 Ensemble von 18 Glasfenstern im Leipziger Grassi Museum, 

1930-33 Stellvertreter von Mies v.d. Rohe. 1933 Flucht in die USA. 1937 „Entartete Kunst“ Einband der Bauhaus-Mappe „Neue europäische Graphik Deutscher Künstler“ beschlagnahmt und vernichtet. 

1933-1949 Kunsthochschule Black Mountain College in North Carolina, Lehrer und Rektor - Schüler u.a.: Robert Rauschenberg, 1935 Josef und Anni Albers erste von 14 Kuba- und Mexiko-Besuche, indigene Bau- und Webkunst 1939  amerikanische Staatsbürger-schaft. 1950-1959 Yale-Universität und Leitung Art Department. zahlreiche Gastdozenturen (so in Harvard, Hartford, Havanna und Santiago de Chile). In den Jahren 1954/55 Gastprofessor Hochschule für Gestaltung in Ulm, Albers experimentierte mit Farben, Formen, Linien, Flächen und ihren Wechselwirkungen auf die kognitive wie subjektive, visuelle Wahrnehmung: „Nur der Schein trügt nicht“. Großer Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Malerei. 

„Hommage to the Square“  Mit dieser Serie dokumentiert er seine Untersuchungen über das Zusammenwirken (interaction of color, 1971) von drei bis vier ineinandergefügten, ungemischt auf den Bildträger gespachtelten, quadratischen Farbflächen, deren Artikel-Nummern er auf der Rückseite der Bilder vermerkte, um zu verdeutlichen, dass ein Betrachter Farben für sich und miteinander je nach Umgebung völlig unterschiedlich wahrnimmt. 

Teilnehmer 1. documenta 1955 und 4. documenta 1968. 

1971: gemeinnützige Gesellschaft The Josef & Anni Albers Foundation, um das Sehvermögen durch Kunst zu erwecken und zu fördern. 1983 Eröffnung des Josef-Albers-Museum im Quadrat Bottrop bei, Anni Albers schenkte dem Museum Werke aus dem Nachlass ihres Mannes Josef.  

Wie sich der aus einer Handwerkerfamilie in Bottrop stammende Josef Albers und Annelise Fleischmann am Bauhaus begegneten, gibt einen Einblick in das Leben an der berühmtesten Kunstschule der Welt. Nachdem die Studentin am Ende des Vorkurses bei Johannes Itten nicht in eine Klasse aufgenommen wurde, bekam sie von einer Freundin die Empfehlung, sich doch von Josef Albers auf die nächste Prüfung vorbereiten zu lassen. Der elf Jahre ältere Student machte auch als Erscheinung "dünn, asketisch und mit gewaltigem blonden Seitenscheitel" auf die Schüchterne großen Eindruck. Dass er sie umgekehrt auch schätzte, erfuhr sie bei einer Weihnachtsfeier, als sie aus dem Sack des Weihnachtsmannes (verkörpert vom Bauhaus-Gründer Walter Gropius) ein Geschenkpaket von Josef Albers ausgehändigt bekam, einen Kunstdruck der "Flucht nach Ägypten" des Renaissance-Künstlers Giotto.

Das am Bauhaus ausgebildete Paar Josef und Anni Albers pflegte in der Rückschau den Prototypus eines modernen, aufgeräumten Lebensstils: spartanisch veranlagt schätzten sie leere Räume und funktionale Objekte. Eine private Aufnahme des Schlafzimmers im ersten Stock des Dessauer Meisterhauses zeigt Annis Bett, das aus einem Stahlrohrrahmen mit schlichter Matratze besteht. Auf schlanken Glas-Konsolen stehen Telefon, technoide Lampe und Ventilator - ein größerer Gegensatz zur elterlichen Villa in Berlin, die mit historisierendem Nippes vollgestellt war, lässt sich kaum vorstellen. Die die gemeinsamen Vorstellungen von Leben und Werk vertieften sich in der Emigration. Die Sichtbarkeit von Anni Albers nahm in der Kunstszene hingegen ab, die in Dessau als Leiterin der Weberei immerhin eine unabhängig bedeutende Position innehatte.

Josef Albers setzte seine Pädagogik als prägender Gründungsdirektor des Black Mountain Colleges und später in Yale fort, sie war dort lediglich als Lehrerin angestellt. Und während Josef Albers mit der Formel für seine unendlichen Variationen seiner "Homage to the Square" zur Marke für Abstraktion fort entwickelte, traten ihre erfolgreichen Entwürfe für Textilien in den Hintergrund. Obwohl sie für sich den Erfolg verbuchen konnte, als erste Textilkünstlerin überhaupt schon im Jahr 1949 am New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt zu werden.

Der Farbtheorie-Unterricht des Künstlers und einflussreichen Bauhaus-Lehrers Paul Klee hatte die stärksten Auswirkungen auf Albers eigenes Faden-Spektrum. Klug bediente sie sich seines chromatischen Systems der Mischung von Wasserfarben, um den Textilien neue Farbtöne zu geben, indem sie Farbblöcke auf unerwartete Weise zusammenstoßen ließ. "Sie nannte ihn ihren 'Gott'", erklärt Fox Weber ihre Verbindung zu Klee. "Sie hat seinen Ratschlag nie vergessen, 'eine Linie spazieren zu führen'." Heute beeinflussen Albers' eigene einfallsreiche Farbtöne die modernen Laufstege – die spielerischen Töne von Hermès für Frühling/Sommer 2019 zeigen, dass die Kreativdirektorin Nadège Vanhee-Cybulski direkt von den Garnen von Albers' Webstuhl beeinflusst wurde.

Das Paar heiratete 1925 (es wird gesagt, dass sie seine Pony-Frisur mochte) – und sie verbrachten nur selten Zeit getrennt voneinander. Oft sahen sie mehr aus wie Geschwister als wie Mann und Frau, so kleideten sie sich jahrelang in passenden Tweed-Mänteln von Abercrombie & Fitch mit Raglanärmeln. Lange Zeit nachdem Josef 1976 verstorben war (18 Jahre vor ihrem eigenen Tod) sagte Albers, dass sie es immer noch vermisste, ihm neue Hemden und Socken zu kaufen.

Bilder aus Oberhausen~Gasometer~Peter Behrens-Teatro am 25.06.2022 ~ zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Bericht aus Oberhausen, geht es hier

Bilder zum dritten Bauhaus-Symposium am 14.06.2022 ~ zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Bericht des dritten Bauhaus Symposiums, geht es hier

Bilder und detaillierter Vortrag zum 2. Bauhaus Symposion am 23.05.2022

Bilder zum ersten Bauhaus-Symposium am 03.05.2022 ~ zum Vergrößern bitte anklicken

Zum Bericht des ersten Bauhaus Symposiums, geht es hier

Symposium vom 12.04.2022 Bilder im Barock

Peter-Paul Rubens, Raub der Töchter des Leukippos, um 1618

Zum Bericht des Symposiums, Malerei im Barock, geht es hier
 

Hier die Barock-Beispiel Bilder zum Bericht:

Peter-Paul Rubens, Selbstportrait mit seiner ersten Frau Isabella, um 1609

Frans Hals, Junge Frau, um 1658

Canaletto, Der Bucintoro in Venedig am Himmelsfahrtstag 1732

Jan Vermeer, Brief lesendes Mädchen, um 1657

Symposium vom 29.03.2022
Musik im Barock

Zum Bericht des Symposiums, Musik im Barock, geht es hier
 

Hier drei Barock-Beispiele zum Anhören:

Händel ~ Wassermusik

Monteverdi ~ L´Orfeo

Bach ~ Brandenburgisches Konzert Nr. 2

 

 

 

 

Link zum berühmten Kastraten des Barock, Farinelli

 

 

 

Gedichte vom 2 ten Symposium am 09.11.2021

Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig
ist des Menschen Ehre!
Über den, dem man hat müssen
heut' die Hände höflich küssen,
geht man morgen gar mit Füßen. 
Michale Franck(1609 - 1667), deutscher Kirchenliederdichter und Komponist

Ein hübsches Lärvchen ist ein Schmuck, der bald vergeht,
Ein Röslein das nicht lang in voller Blüte steht,
Ein Reiz, der flüchtig an der äußern Haut nur klebt,
Indes ein schöner Geist die Zeiten überlebt.
Molière (1622 - 1673), eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, französischer Komödiendichter und Schauspieler 

Der Morgen
Uns lockt die Morgenröte
In Busch und Wald
Wo schon der Hirten Flöte
Ins Land erschallt.
Die Lerche steigt und schwirret,
Von Lust erregt
Die Taube lacht und girret
Die Wachtel schlägt

Die Hügel und die Weide
Steht aufgehellt
Und Fruchtbarkeit und Freude
Beblümt das Feld.
Der Schmelz der grünen Flächen
Glänzt voller Pracht,
Und von den klaren Bächen
Entweicht die Nacht.

Der Hügel weiße Bürde,
Der Schafe Zucht,
Drängt sich aus Stall und Hürde
Mit froher Flucht.
Seht, wie der Mann der Herde
Den Morgen fühlt
Und auf der frischen Erde 
Den Buhler spielt!

Der Jäger macht schon rege
Und hetzt das Reh
Durch blutbetriefte Wege
Durch Busch und Klee.
Sein Hifthorn gibt das Zeichen;
Man eilt herbei;
Gleich schallt aus allen Sträuchern
Das Jagdgeschrei

Doch Phyllis' Herz erbebet
Bei dieser Lust;
Nun Zärtlichkeit belebet
Die sanfte Brust.
Laß uns die Täler suchen,
Geliebtes Kind,
Wo wir von Berg und Buchen
Umschlossen sind!

Erkenne dich im Bilde
Von jener Flur!
Sei stets, wie dies Gefilde,
Schön durch Natur,
Erwünschet als der Morgen,
Hold wie ein Srahl;
Sei frei von Stolz und Sorgen
Wie dieses Tal
Friedrich von Hagedorn (1708-1754)

Der Silvian, das fromme Blut!
Ihm glückt auch alles, was er tut.
Er lebt so friedsam, so vergnügt;
Ob er nicht ackert oder pflügt,
So bleibet er doch wohlversorgt:
Hat er kein Geld, ihm wird geborgt.
Sein Weib bleibt von ihm jede Nacht,
Doch jährlich ihn zum Vater macht.
Schaut, ob es ihm nicht wohl ergeht?
Er erntet, was ein andrer sät.
Ernst Christoph Homburg (1605 - 1681), deutscher Epigramm- und Kirchenlieddichter

Was ein Baum ist ohne Laub, 
was ein Kirchturm ohne Glocken,
was ein Keller ohne Wein, eine Suppe sonder Brocken,
was ein Schiff ist ohne Segel, was ein Anker ohne Grund,
was ein Schütze sonder Pulver, und ein Jäger ohne Hund,
was ein Weber ohne Garn, was ein Schlosser sonder Eisen,
was ein Bäcker ohne Mehl, und ein Garkoch ohne Speisen,
was ein Fuhrmann ohne Wagen, und ein Bauer ohne Feld;
dies, und zehnmal noch minder, ist der Adel ohne Geld.
Johann Grob (1643 - 1697), Schweizer Epigrammdichter

Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!
Und fort, wild wie ein Held zur Schlacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht.
Schon stund im Nebelkleid die Eiche
Wie ein getürmter Riese da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr.
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch tausendfacher war mein Mut,Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloß in Glut.

Ich sah dich, und die milde Freude
Floß aus dem süßen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter,
Ich hofft’ es, ich verdient’ es nicht.

Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!
Aus deinen Blicken sprach dein Herz.
In deinen Küssen welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du gingst, ich stund und sah zur Erden
Und sah dir nach mit nassem Blick.
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück! 
Wolfgang Goethe (1771)

Anders sein und anders scheinen,
anders reden, anders meinen,
alles loben, alles tragen,
allen heucheln, stets behagen,
allem Winde Segel geben,
Bös' und Guten dienstbar leben,
alles Tun und alles Dichten
bloß auf eignen Nutzen richten:
wer sich dessen will befleißen,
kann politisch heuer heißen.
Friedrich von Logau (1605 - 1655), Pseudonym: Salomon von Golaw, deutscher Dichter des Barocks aus schlesischem Adelsgeschlecht

Tränen des Vaterlandes'
Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun,
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.
Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehrt
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sindzerhaun
Die Jungfraun sind geschändt, und wo wir hin nur schaun,'
Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret
Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Srömer Flut,
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen
Doch schweig ich noch von dem , was ärger als der Tod.
Was grimmer denn als Pest und Glut und Hungersnot,
Daß auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen.
Andreas Gryphius (1636)

Vortrag zum 1. Symposium Barock am 19.10.2021

Barock ist ein Begriff für einen je nach Region unterschiedlichen bestimmten Stil für Architektur, Literatur, Musik, bildende Kunst, Mode, gesellschaftliches Leben.
Stil Bezeichnungen sind willkürlich, meist erst im Nachhinein gebräuchlich, mit Veränderungen der Interpretation. Meist zunächst abwertend, negativ, spöttisch, überheblich.
Barock – zunächst allgemein Das Regelwidrige, Sonderbare, Exzentrische, Bizarre, seltsam geformte, auch betrügerisch, schwülstig, kitschig, komisch, barocco – portugiesisch für „schief ungleichmäßig (z.B. bei Perlen)

Barock - Eine einheitliche Geisteshaltung im Kampf zwischen Ordnung einerseits und rastloser Bewegung andererseits findet Ausdruck in barocker Kunst.
Rastlose Bewegung ? Die entscheidenden Entdeckungen der Wissenschaft wurden gewonnen durch das Prinzip der Bewegung:

Wissenschaft Technik: Beispiele:
Blutkreislauf der Lebewesen (William Harvey 1578-1657)– Freier Fall Galilei Fernrohr Beschreibung Freier Fall 1609 Newton Gravitationsgesetz 1609 Keplersche Gesetze 1687- 3 Gesetze (Trägheit) – Leonard Euler 1707-1783 Otto v. Guericke 1654 Magdeburger Halbkugel/Wirkung des Luftdrucks Vacuum Leibniz usw usw.(Gegenstand eines Abends)
Philosophie – Gesellschaft – Politik – Religion 
Rationalismus – Moralphilosophie – Gesellschaftstheorie – aufgeklärter Absolutismus
Aufklärung – Pantheismus – „Gegenreformation“ = Katholische Repression und missionarische Rekatholisierung
Ökonomie, Theater, Feste (folgt später)

Demgegenüber stand der „menschliche“ Wunsch nach Ordnung, hier vor allem in der Gesellschaft – im Leben – in der Politik. – Ausdruck gerade harmonische und gleichförmige Linien in Architektur, Gartenbau!!!, jedoch überreich beladen zur demonstrativen Macht.

Was war geschehen? Die Renaissance – die Wiederentdeckung Griechenland und Rom,
wodurch?  1453 Konstantinopel – Türkisch-Arabischer Sieg weckt Begehrlichkeiten – Suche nach Alternativen führt zum Zeitalter der Entdeckungen – Neue Weltsicht – neue Anforderungen Buchdruck 1450/52, Reformation, Aufbegehren von Bürgern und Volk, erst in der Kirche (wir lesen die Bibel jetzt selbst) dann gegen Fürsten – Insgesamt Unsichere bedrohliche Zeiten.

Bruchstellen + Erklärung der regionalen Unterschiede barocker Ideen: 
1. Reichstag Augsburg 1555: Reichsstände durch die Reichskreise, das Reichskammergericht, die Münze an Macht gewannen durch die Schwäche des Kaisers. Die Macht verschob sich schrittweise auf Institutionen. Jedoch „cuius regio eius religio“ – Prunk, Verschwendung, Festkultur etc. sowie pompöse Bauwerke waren ein letztendlich gescheiterter Versuch der Fürsten die Form der Alleinherrschaft zu bewahren. Klar wurde das durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens, der zum Teil der deutschen Verfassung wurde und die Macht der Fürsten letztendlich weiter beschnitt.
Die Bürger in den Städten gewannen weiter an Einfluss gegenüber den Fürsten, 
2. Konzil von Trient 1545-1563: Gegenreformation – (1534 Jesuiten) 
    1559 Index Librorum Prohibitorum 1562 Il Gesu/Jesuiten (reinstes Barock heutige Lesart)
3. 1562 Frankreich: Hugenottenkriege 1572 Batholomäusnacht 1598 Edikt von Nantes 
    1685 Fontainebleau - Reunionskriege 1667-1697
4. England 1558 Elizabeth 1. 1581-1795 Niederländisch-Englische Seekriege
5. Ab 1564 Jesuiten in Polen – Repressionen – Bildung – Theater –„Monita Secreta“
6. Deutschland – Hlg.Röm.Reich  – Habsburg/Wittelsbach – Protestant. Fürsten
    1583-1595 Bruderzwist Rudolph II/ Matthias 1612 Kaiser 1619 Ferdinand II (Absolutismus + Gegenreformation) 
7. Schweden Großmachtträume ab 1611/1617

Anhand dieser Daten sehe ich Barockzeit den Zeitraum von ca. 1550 bis zum 1789. Offiziell von 1600 – ca. 1750 (wobei Rokoko teilweise nochmals abgesondert wird)

Die drei wichtigsten Motive des Barocks sind “Carpe diem”, “Memento mori” und “Vanitas”, drei lateinische Ausdrücke.

Carpe diem
“Genieße den Tag” (dt. für “Carpe diem”) steht für einen Aufruf seine Lebenszeit zu genießen und das Beste aus jedem Tag zu machen, anstatt nur “vor sich hin zu leben”. Die ständige Angst vor dem Tod sollte einen nicht daran hindern Mut fürs Leben zu haben. (Horaz – Pflücke den Tag (Kepos)– Lebe den Tag – -Nutze den Tag-  Epikur)

Memento mori
“Sei dir der Sterblichkeit bewusst” (dt. für “Memento mori”) steht für die Vergänglichkeit des Lebens und dient als Erinnerung an den unausweichlichen Tod. Es diente der Kirche als eine Warnung an alle Menschen vor dem moralischen Verfall. Gleichzeitig war es damit auch eine Aufforderung nach Selbstreflexion zur Hinwendung an Gott und die Kirche. (Rom - Siegeszug)

Vanitas
“Nichtigkeit” / ”Eitelkeit” / “Schein” (dt. für “Vanitas”) war eng mit dem Motiv des Memento mori verbunden. Es zeigt die Vergänglichkeit der Menschen und alles Irdischen, was auch als gottgewollt und unausweichlich gilt. Der Mensch sei machtlos, und soll nicht versuchen, das unausweichliche zu verhindern, es liege sowieso nicht in seiner Hand. Bilder, die verfallene Schönheit oder vergangene Zeit darstellen, zeigen deren Vergänglichkeit und dass es nicht möglich ist, diese Dinge ewig festzuhalten. 

Geschichtliche Einordnung:

1453 der Fall Konstantinopels an die Osmanen – Niedergang des Orienthandels über Venedig- Genua mit Anbindung an süddeutsche          Städte (Augsburg, Nürnberg)
1450 Gutenberg Buchdruck (dadurch Erfolg der Reformation ?) nationale Sprachen - Latein
1492 Kolumbus – 1497-99 Vasco da Gama – Entdeckungen, Neue Entwicklungen, Techniken
1517 Reformation Luther Hus Zwingli Erasmus
1524-26 Bauernkriege
1526-32 1. Türkenkrieg
1534 Gründung der Jesuiten
1545-63 Konzil von Trient – Gegenreformation

Was geschah im Barock:

1555 Augsburger Religionsfriede (cuius regio, eius religio)
1583 Kölner Krieg/Truchsessischer Krieg (Versuch Kölner Erzstift in erbliches Lehen zu wandeln – Protestanten/Katholiken
         vorgeschoben Sieg span-bayr. Truppen
1583-1604 Straßburger Kapitelstreit – Sieg katholischer Truppen beides casus belli
1608 protestantische Union – 1609 Katholische Liga – Friedrich V /Winterkönig
1609 Bergischer Erbfolgestreit Wolfgang Wilhelm Sigismund Spanien Frankreich Generalstaaten – 
(1614 Provisionalvergleich durch Vermittlung der 3 Staaten - in der Schwebe bis nach 1648: 1672=Ausgleich Aufteilung, Religionsausübung ja Status quo, aber ohne Toleranz) Grund der Einigung u.a. Expansion Ludwig XIV – Brandenburg wechselt öfter die Seiten, Jülich-Berg bleibt bei Habsburg) 
1617 z.B. Lutheraner und Calvinisten durch Wolfgang Wilhelm aus Bensberg vertrieben.
1618-48 30jähriger Krieg – mehrere Kriege – Wegen Plünderungen und Verwüstungen, vor allem durch Dezimierung der Bevölkerung durch Mord und Epidemien Abnutzung der Resourcen und dem Westfälischen Frieden dann so bezeichnet.
1620 Spanier (nach Winterkönig Kahlen Berg Pfalz im Bergischen Land) dann Generalstaaten (Pfaffenmütze im Rhein Berg Siegmündung) + Brandenburger

Folge: Nicht mehr Hierarchie der Fürsten, sondern Größe des Territoriums, Wirtschaftskraft, militärische Stärke (Söldnerheere)

Nationale Unabhängigkeit von Schweiz und Niederlande – Beginn der Nationalstaaten-Idee

1635-1659 Franz./span. Krieg Pyrenäenfrieden Jülich-Berg
1661-1715 Louis XIV
1653-1660 Karl I v . England – Cromwell Navigationsakte
1667-1714 Pfälzischer Erbfolgekrieg Jülich-Berg
1667-68 Devolutionskrieg (Erbfolge) 1. Reunionskrieg F/Span. Niederlande
1667-1714 Franz.-holl. Krieg Jülich-Berg
1683 2. Türkenkrieg – Türken vor Wien  Graf Starhemberg Kahlenberg Jan Sobieski
1683-84 Reunionskrieg Luxemburg – Trier – Katalonien -Navarra Jülich/Berg
1688/89 Glorious Revolution Bill of rights – kath. Jacob II durch Wilhelm v. Oranien
1689/91 Jakobitenaufstand – Penal Laws Oranien Ursache des Nordirlandkonflikts.
1700-1722 Großer Nordischer Krieg 1715-1733 August II v . Sachsen
1701-1704 Spanischer Erbfolgekrieg Jülich-Berg
1700-1722 Großer Nordischer Krieg
Maria Theresia 1717-1780 – Friedrich II 1712-1786
1740-42 1. Schlesischer Krieg Erbfolge – pragmatische. Sanktion
1756-62 7jähriger Krieg Jülich-Berg

Weitere Merkmale des Barocks
Wie schon beschrieben, ist der Barock und damit auch dessen Literatur von Gegensätzen geprägt. Dazu gehören unter anderem:
Das schöne Leben - Die Zerbrechlichkeit des Lebens - Wohlstand~Armut - Gesundheit~Krankheit - Diesseits~Jenseits - Sein~Schein Tugend - Erotik - Ewigkeit - Vergänglichkeit.

Barock modern mit Düsseldorfer Barock in der Altstadt, Bericht vom Besuch am 09.10.2021

Die Ausstellung Barock Modern im Kunstpalast Düsseldorf zeigt die Kunst der alten Meister neben der abstrakten, der informellen und der ZERO Kunst aus der Sammlung Kemp, vergleicht, reflektiert  und stellt Assoziationen her. Das wollten wir uns genauer ansehen.

Den gegenständlichen Darstellungen von Vergänglichkeit, leerem Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit – mit einem Wort Vanitas des Barock,  setzten die „heutigen“ Künstler ihre abstrakten Varianten zum selben Thema entgegen.

Die früheren Darstellungen sind jeweils plakativ, nur auf den ersten Blick schnell verständlich, aber auch nur, wenn man in dieser Zeit gelebt hat oder die jeweiligen Bedeutungen der Objekte, Details und Darstellungen aus Religion, Sitte, Kultur kennt. Die aktuelleren Objekte sind hingegen eher selten auf den ersten oder zweiten Blick verständlich; es braucht schon einiges an die Herangehensweise des Künstlers und Assoziationen, damit es sich einem eröffnet.

Den Kunstwerken beider Epochen ist oft gemeinsam, dass sie Interesse und Neugier wecken, egal ob sich später persönliche Zustimmung oder Ablehnung ergibt.

Am Beispiel eines Gartenzwergs aus Schokolade und eines Hasen aus Köttel und Mist von Dieter Roth sind auch durch das verwendete Material drastisch überzeichnete Adaptionen dieser Motive in ihrer verschiedenen Bedeutung zu den jeweiligen Epochen. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er im Zwerg den Gnom, den Spießer, den fleißigen Kerl und Bergmann oder im Hasen Lebenskraft, Auferstehung, oder einfach Wollust erkennt. Es sind jedenfalls kleine Schritte um sie mit Vergänglichkeit, Prahlerei, Vergeblichkeit in Verbindung zu bringen – und damit ist man eben wieder bei Vanitas, einem der drei zentralen Motive des Barock.

Soweit war ich gekommen. Ich fand es nicht schlecht – obwohl – kurzweilig geht anders.

Beim Ürigen der nächste Halt Bringt den Genuss von kühlem Alt
 Die Altstadt war ja brechend voll Denn auch die Witterung war toll
 Dann gabs als Krönung unsrer Reise „Im Schiffchen“ unsre Abendspeise
 Ein jeder soll nach freiem Willen Zum Abschluss seinen Hunger stillen

Durch die Tickets gab‘s die Möglichkeit Das jeder geht zu seiner Zeit
 Doch keiner musste sich beeilen Wer wollte konnte noch am Tisch verweilen
 Um miteinander noch zu plauschen Und Gedanken auszutauschen
 So sag ich ohne lange Wahl Wir freu`n uns schon aufs nächste Mal

Da erreichten mich mehrere Emails von Sylvia Schäfer und das Gedicht von Ralf Porath. Und siehe da – mein Bericht war gerettet. Denn, besser kann ich alles Weitere nicht beschreiben, als es Ralf kurz und knackig getan hat. Zusammen mit den Fotos von Sylvia wird ein schöner Schuh daraus.
Hier also alles Weitere von Ralf Porath:

Am 9.10. zählte nur Das Thema Kunst und auch Kultur
Und der Trip nur mit der Bahn
Der hat uns allen gutgetan
 Denn in Düsseldorf am Rhein
Da soll das Kunstmuseum sein
 Das Tagesthema war Barock Für Kunstbanausen mehr ein Schock

Klaus, zum Gruppenchef gekürt
Hat vorbildlich Regie geführt
 Und liebe Leute, auf ein Wort 
Für die Planung gab`s Support
 Es ist nun wirklich keine Frage
Das ich dafür Danke sage
 Willi Kemp gab seine Spende In Düsseldorf in gute Hände

Die Andreaskirche zeigte viel 
Über Kunstwerk in barockem Stil
 Von draußen hätt ich nie gedacht Das jemand drinnen so was macht
 Durch einen Unfall wohl bedingt Hat unser Klaus doch sehr gehinkt
 Die Rikscha sollte ihn entlasten Er braucht nicht durch die Stadt zu hasten

Bericht von Klaus Schaberg
14.10.2021

Bericht vom Besuch des Schlosses Benrath mit Führung am 31.07.2021

Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18099144 

Schloss Benrath – Gärten – Park – Museum für Europäische Gartenkunst – Rheinterrassen

Bei unserer ersten gemütlichen Zusammenkunft nach der dritten Corona-Welle auf der überdachten Terrasse des Essateliers hatten wir uns zu einem Besuch von Schloss Benrath mit Führung im Museum für Gartenkunst und Corps de Logis, anschließendem Gärtenspaziergang und schlussendlich zum gemeinsamen Abendessen und Plausch in den Rheinterrassen verabredet. 

Benrath bietet sich an, da wir uns ab Herbst mit dem Zeitalter des Barock beschäftigen wollen, also neben dem Gelsenkirchener und den Rubens-Mädchen, der Geschichte dieser 200 Jahre, Literatur, Poesie, Musik, Theater, Philosophie usw. eben auch mit der bildenden Kunst, also auch mit der Architektur, Gartenbaukunst. 

Und dazu ist Benrath als Endpunkt barocker Kunst, Rokoko hin zu Klassizismus und Louis Seize ein beeindruckendes Beispiel, wie verschiedene Baustile immer wieder miteinander vermischt wurden. 

Nach einigen Zu- und Absagen trafen sich dann 15 Mädels und Jungs am 31.7. vor dem Museumsshop ein. Da gerade mal wieder auch in Düsseldorf die berühmt-berüchtigte Inzidenz zugeschlagen hatte, wurden wir auf 2 Gruppen verteilt, dies obwohl wir – wie Simone es ausdrückte – alle 2fach geimpft, entwurmt und geschippt waren. Die eine Gruppe begann im Corps de Logis (also in der Wohnung), die andere im seitlichen Bediensteten Flügel, in dem das Museum der europäischen Gartenkunst untergebracht ist. 

Das Metier der jungen Führerin war der Gartenbau. Der barocke Garten wurde anhand des ersten bedeutenden Beispiels des Chateau de Vaux-le-Vicomte von ihr erklärt. Da ich mir nicht alles merken konnte, hier ein Ausschnitt aus Wikipedia: 

Vaux-le-Vicomte übertrifft an Pracht und an gestalterischer Konsequenz alle bis dahin in Frankreich bekannten Schlösser und Gärten. Nie zuvor waren die Anfahrt, die Höfe und Nebengebäude, der Wohnbau selbst und der Garten einer so strengen, alles übergreifenden Ordnung unterworfen worden. Die gesamte Anlage gliedert sich hierarchisch, symmetrisch und axial. Bereits auf der Nordseite versammelt ein Fünfstrahl mit hervorgehobener Mittelachse die räumlichen Kräfte und führt sie auf den Vorhof und den Ehrenhof. 

Da ehemals im Mittelbereich des Wohnbaus Fenster und Türen offen waren, konnte die Hauptachse noch besser durch das Gebäude hindurch bis in den symmetrisch angelegten Garten verfolgt werden, wo sie über die Parterres samt rahmenden Bosketten bis in den fernen Waldbereich führt.

Die Gesamtanlage besteht aus drei Bereichen, die untereinander in enger Verbindung stehen: die Vorhöfe und die Fassade des Schlosses, die Innenarchitektur und Ausstattung und die sich hinter dem Schloss erstreckende Gartenanlage.

Links: Garten von der Laterne des Schlosses aus Schloss Vaux-le-Vicomte: Blick auf Broderieparterres, seitliche formale Blumenbeete und im Hintergrund ruhige Rasen- und Wasserflächen mit architektonischer Rahmung sowie der weiten Sichtachse Von Thomas Henz Sadeness - Fotografiert von Thomas Henz / Photograph taken by Thomas Henz, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=298256 

Links: Parterregarten Orangerie Versailles Von Urban in der Wikipedia auf Französisch - From French fr:Image:Orangerie.jpg, personal photo under GFDL license by fr:Utilisateur:Urban, CC BY-SA 3.0, https://commons.

Auch wenn Ludwig XIV seinen Finanzminister als Bauherr von Schloss und Garten deswegen wohl nicht wenige Wochen nach der Einweihungsfeier von Schloss und Garten abgesetzt hat, so war er wohl neidisch genug und sann mit dem Bau von Versailles darauf, alles noch größer, bombastischer, auf jeden Fall repräsentativer zu machen. Denn nur so konnte er seinen absolutistischen Machtanspruch wirksam publizieren, Fernsehen und Internet gab es ja zu dieser Zeit noch nicht. 

Ab dem frühen 18. Jahrhundert entwickelte sich in England der englische Landschaftsgarten. Der Ursprung ist vorstellbar durch das Aufkommen der Kavalierreisen, insbesondere nach Italien. Es ist eine bewusste Abkehr vom geometrischen, geordneten blühenden Garten des Barock hin zum die Natur idealisierend nachahmenden Bildkunstwerk mit sich windenden Flüssen und Wegen.

           

Links Studley Royal Water Garden mit achteckigem Aussichtsturm CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1524963 Rechts Stourhead Von Hans Bernhard (Schnobby) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10707991

Um den Horizont zu akzentuieren, wurden antike Tempel, später auch chinesische Pagoden, künstliche Ruinen, Grotten und Einsiedeleien (Eremitagen) in die Landschaft eingestellt. (aus Wikipedia) 

Drittes und letztes Beispiel war das Modell der Gärten und des Parks von Schloss Benrath. Anfänglich waren die Gärten auf beiden Seiten ebenfalls rein barocke Gärten. Auch der anschließende Park zum Rhein hin hatte eher barocke, gerade und geordnete Elemente; als Jagdrevier war er wenig geeignet und es ist auch kaum vorstellbar, dass er jemals so genutzt wurde, zumal Karl-Theodor sich nie dort aufgehalten hat und Murat und die Preußens auch andere Ideen oder bessere Möglichkeiten hatten. 

Der Architekt Nicolas de Pigage hat mit Schloss Benrath die Idee von Vaux-le-Vicomte umgesetzt und die Stilrichtungen des Spätbarock/Rokoko mit Elementen des Klassizismus und des Louis Seize verbunden. Die Gegebenheiten in Benrath ließen eine Gartenanlage wie er diese in Schwetzingen gebaut hat, nicht zu. Aber erkennbar ist der Einfluss schon.

Benrath: Kolorierte Federzeichnung von Wiebel und Couven, 1806. Von Autor unbekannt - Weidenhaupt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14979854

Links: Schwetzingen Von Schlurcher - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=43419927Schloss und Park

 

 

 

 

Auf dieser Federzeichnung sind die beiden Barockgärten gut erkennbar. Als die Hohenzollern in Benrath nach 1816 einzogen, wurde der Barockgarten auf der „Herrenseite“ in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet, so wie er heute noch präsentiert wird. 

(Legende) a Hauptgebäude, Corps de Logis, b Kavaliersflügel, c Torhäuser,              d Schilderhäuschen, e Wirtschaftshof, f Bartschüssel g Bacchus und Pomona,        h Flora und Pan i Lindenrondell, k Eremitage,1 Schlossweiher, 2 Obstbaumwiese, 3 Privatgarten der Kurfürstin Elisabeth Auguste, sog. "Französischer Garten"               4 Fächeralleen, 5 Küchengarten, 6 Parterregarten, 7 Prinzenbau / Orangerie (Altes Schloss), 8 Spiegelweiher, 9 Schlossterrasse, 10 Privatgarten des Kurfürsten Carl Theodor, sog. "Englische Partie", 11 Schillergarten, 12 Meleager und Atalante,             13 Hauptallee, 14 Jagdstern, 15 Lindenplatz, 16 Schlangenweg, 17 Kopfweiher,     18 Viereckweiher, 19 Radweg, 20 Rheinkopf, 21 Aha-Graben, 22 Hippodrom,           23 Ulmenkopf, 24 Schlangenbach, 25 Trompet, 26 Alte Brücke.

Copyright: Sylvia Schäfer

Vor dem Corps de Logis endete die Führung im Museum für europäische Gartenkunst und die beiden Gruppen tauschten unsere Führer. Für uns ging es ins Untergeschoss des Zweifamilienhauses, für die zweite Gruppe zum Gartenbaumuseum. 

Hier nun das Corps de Logis – das Wohnhaus – eigentlich ein Haus mit 2 Doppelhaushälften, nicht allein zu Repräsentation, sondern eher zum „privaten“ Wohnen, als Sommersitz, als Wohnung abseits der Pflichten, auch als Witwensitz gedacht. Bauherren waren Kurfürst Karl-Theodor von Pfalz-Neuburg und dessen Ehefrau Kurfürstin Elisabeth Auguste, ebenfalls von Pfalz-Neuburg, Cousin und Cousine eben. Hier sind die beiden, links

Einerseits auf barocke Wirkung bedacht (nicht nur farblich, sondern in seiner gesamten barocken Gestaltung, andererseits bereits Understatement in der Wirkung eines Bungalows mit Dachgeschoss, das in Wirklichkeit 2 Vollgeschosse für die beiden Privilegierten und insgesamt 5 Geschosse (für die Bediensteten und Keller) besitzt.

Von Pigage - Heinz Peters, Das alte Düsseldorf, Düsseldorf 1960, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14634474

Copyright Sylvia Schäfer (2 Bilder)

Der repräsentative Eingang, das Vestibül, ist gleichzeitig als Esszimmer für Empfänge zu benutzen. Es ist bereits – modern – klassizistisch Louis Seize, während die beiden Wohnbereiche und der große Saal im Rokoko Stil erscheinen. Kurfürstin und Kurfürst standen jeweils 3 Räume (Garten Wohnzimmer Schlafzimmer und Arbeitszimmer) zur Verfügung. Daneben gab es Ankleide und Bad, wobei insbesondere das Bad weniger der Reinlichkeit als mehr der Zerstreuung diente. In der oberen Etage waren die Gästezimmer untergebracht, die wir allerdings bei der Führung nicht besichtigt haben. Gewohnt hat die Kurfürstin nur wenige Wochen darin, der Kurfürst, wie schon gesagt, nie.

Copyright Sylvia Schäfer

Nachdem wir aus dem Keller entlassen wurden und eine kleine Pause auf dem Mäuerchen der Auffahrt gemacht hatten, zog es uns, die Gärten auch noch in natura zu sehen. Es wurde ein kurzer Spaziergang durch den englischen, den Resten des französischen Barockgartens, den Küchengarten und – für diejenigen, die ihr Auto in der Nähe der Orangerie (dem Rest des alten Renaissanceschlosses) geparkt hatten, noch in den Blumengarten. Die anderen lustwandelten durch den Park zu Rhein und vor allem zu den Rheinterrassen. Dort fanden sich auch die Wanderfaulen zur gleichen Zeit ein. 

Nach einem ersten Schluck auf der Terrasse wechselten wir dann doch lieber nach drinnen, wo wir ebenso die Aussicht auf den Rhein, vor allem aber einen schönen Abend bei Speis und Trank genießen konnten.

Zwei Stunden Kunst, eine Stunde frische Luft und vier Stunden Geselligkeit: Gerade die richtige Mischung für uns bei ZWAR-Gruppe Kunst und Kultur.

Bericht von Klaus Schaberg
04.08.2021

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